Capsule Wardrobe – Minimalismus im Kleiderschrank?

Eco lifestyle und nachhaltig leben: Capsule Wardrobe – Minimalismus im Kleiderschrank

Den Kleiderschrank ausmisten? Das kann sich unsere Grafikerin Fenja eigentlich sparen, weil sie bereits seit Jahren auf das »Schrankheits-Prinzip« setzt und eine Capsule Wardrobe führt. Warum, wieso, weshalb erklärt sie hier.

Zur Zeit findet man im Netz unter den Schlagworten »Magic Cleaning«, »Wardrobe Detox«, »Kleiderschrank aufräumen« oder » Capsule Wardrobe « ja jede Menge Tipps und Tricks rund um das Thema Minimalismus im Kleiderschrank. Die Erkenntnis, dass weniger oftmals mehr ist und Besitz gerne Besitz von seinem Besitzer ergreift, setzt sich mehr und mehr durch. Der abgespeckte Kleiderschrank wird salonfähig.
Ich selbst hatte immer schon einen klitzekleinen Kleiderschrank und habe es nie verstanden, wieso manche Frauen wuchtige Schrankwände in ihren Schlafzimmern stehen haben. Und auch über die gängige Annahme, alle Frauen seien schuhverrückt kann ich nur schmunzeln – selbst meine Freunde (darunter leidenschaftliche Sneaker-Sammler) hatten allesamt deutlich mehr Schuhe als ich in ihren Fluren und Schränken stehen.

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Herrlich, ich muss mich nicht mehr für meinen spartanischen Kleiderschrank rechtfertigen

Deshalb denke ich angesichts der aktuellen Minimalismus- und Magic Cleaning-Bewegung einfach nur: »Herrlich, ich muss mich nicht mehr für meinen spartanischen Kleiderschrank rechtfertigen.« Denn endlich treffe ich auf Gleichgesinnte. Und das Beste – ich muss mir gar nicht erst eine Detox-Strategie aneignen oder mir eine kleine, feine Capsule Garderobe zulegen, denn in meinem Kleiderschrank herrscht seit eh und je Minimalismus pur.

Früher habe ich mich oft geschämt, wenn ich montags morgens in die Redaktion kam und dort einige Kolleginnen von ihren Shoppingtouren und -Ausbeuten erzählten und diese stolz präsentierten. Ich stand immer leicht außenseitermäßig daneben, ohne eine Shopping-Anekdote aus dem Ärmel schütteln zu können. Denn ich hatte einfach keine Zeit oder Lust, am Wochenende durch die Stadt zu hetzen und mir wie verrückt Klamotten zu kaufen. Genau diese Kolleginnen waren es dann auch, die mich eines Morgens (mit einem Augenzwinkern) fragten, ob ich etwa nicht zu Hause geschlafen habe, weil ich zweimal hintereinander das gleiche Sweatshirt an hatte. Aber was spricht eigentlich dagegen? Der Sweater war weder bekleckert, noch hat er komisch gerochen, also habe ich ihn am nächsten Tag einfach wieder angezogen. Ohne mir darüber im Klaren zu sein, dass genau das ein verdächtiger Tatvorgang war. Ziemlich absurd…

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Aber Butter bei die Fische, ich gebe es zu – vor sehr langer Zeit war ich einmal bei Primark in Bremen. Alle meine Freundinnen hatten mir von dem Textil-Discounter erzählt, vor allem die, die regelmäßig in London waren: »Das glaubst du nicht, Fenja! Eine »Lederjacke« für 10 Euro und die Einkaufstaschen haben Rollen!«. Als Primark dann schließlich die erste Filiale in meiner Nähe eröffnete, war ich total aus dem Häuschen, habe mir extra einen Tag freigenommen (!) und bin gemeinsam mit einer Freundin nach Bremen gedüst. Während unserer Shopping-Tour haben wir uns die ganze Zeit dafür gefeiert, was für unglaubliche Schnäppchen wir da gerade machen. Fehlte eigentlich nur noch, dass wir Haul-Videos von uns und unseren Errungenschaften gedreht und ins Netz gestellt hätten… Am Ende des Tages ging jede von uns mit einer randvollen, zum Bersten gefüllten XL-Tüte aus der Filiale heraus. Doch der Witz an der Sache war: Den Großteil der Klamotten habe ich nicht ein einziges Mal angezogen, weil die Teile am Ende überhaupt nicht passten oder die Materialien sich extrem mies angefühlt haben. In meinem »Delirium« war ich nämlich irgendwann einfach dazu übergegangen, die Sachen direkt in die Tüte (mit Rollen) zu befördern und gar nicht erst anzuprobieren, das war mir in dem Moment viel zu stressig. Bei den unfassbar billigen Teilen war es ja auch vollkommen egal, wenn ein paar Sachen am Ende gar nicht passten… Wenn ich heute darüber nachdenke, kann ich kaum fassen, wie ferngesteuert wir da durch die Gänge gerast sind, blind vor kurzweiligem Shopping-Glück.

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Der Shopping-Ausflug erschien mir als perfektes Liebeskummer-Ablenkungsmanöver 

Allerdings muss man dazu sagen, dass ich zu diesem Zeitpunkt in keiner guten Verfassung war: Mein damaliger Freund und ich hatten uns gerade getrennt und dieser Shopping-Ausflug erschien mir als perfektes Ablenkungsmanöver von meinem Liebeskummer. Von den vielen Einkäufen versprach ich mir eine Art Trostpflaster-Effekt. Hatte ich es nicht verdient, mir was Gutes zu tun und mir etwas (oder auch etwas mehr) zu gönnen? Leider habe ich erst im Nachhinein begriffen, dass mit solchen Frust-Einkäufen natürlich absolut Niemandem geholfen ist. Weder mir und schon gar nicht den Menschen, die diese Fast Fashion-Fetzen unter menschenunwürdigen Bedingungen für uns produzieren. Wertlose Teile, die nur dafür konzipiert wurden, Menschen für einen kurzen Moment zu triggern, Kaufimpulse in ihnen auszulösen, nur um im nächsten Augenblick, nach dem die Befürfnisbefriedigung verpufft ist, entsorgt und durch ein neues «Trendteil« ersetzt zu werden. Aber – um meine Ehre einigermaßen wieder herzustellen – ich schwöre, es ist bei dieser einzigen Primark-Tour geblieben. Meinen Liebeskummer habe ich dann zum Glück anderweitig in den Griff bekommen.

Aber mal ganz abgesehen von dem Teufel, der mich damals geritten, beziehungsweise in diesen fürchertlichen Konsum-Tempel getrieben hat, habe ich niemals davor oder danach in großen Mengen geshoppt, sondern eigentlich immer nur dann, wenn ich wirklich etwas Neues brauchte. Mir fiel es auch nie schwer, mich von Sachen zu trennen. Denn wenn man häufiger umzieht oder – so wie ich früher – in zwei Ländern wohnt (ein halbes Jahr in Hamburg und ein halbes Jahr im österreichischen Mayrhofen) und seine jeweiligen Wohnungen untervermietet, hält man seinen Hausstand automatisch schlank.

Wenn ich heute in meinen Kleiderschrank blicke, dann sehe ich dort neben Socken, Wäsche und Sportsachen etwa je ein Dutzend Tops, Blusen, Pullover, Röcke und Hosen liegen und hängen. Alles Teile, mit denen ich unzählige Erlebnisse verbinde, da sie mich teilweise schon seit Jahren oder gar Jahrzehnten begleiten und mich in den unterschiedlichsten Stimmungen und Lebenslagen kennen. Mit der Zeit sind wir sind so etwas wie gute Freunde geworden oder zumindest enge Vertraute. Und die tauscht man ja schließlich nicht einfach so aus.

Tipp: Ein Label, das dabei behilflich sein könnte, seine Garderobe auf wenige, dafür hochwertige, zeitlose und extrem wandelbare Teile zu reduzieren, ist das New Yorker Label Vetta Capsule, dessen Collection nur auf 5 Kleidungsstücken basiert.

 

Und hier haben wir noch die passenden Buchtipps für euch:

peppermynta-peppermint-fair-fashion-capsule-wardrobe-anuschka-rees-the-curated-closetPersonal Stylist in Buchform: The Curated Closet »A Simple System for Discovering Your Personal Style and Building Your Dream Wardrobe« von Anuschka Rees. Das Buch der erfolgreichen Style-Bloggerin bringt Licht ins Dunkel, beziehungsweise in unseren Kleiderschrank und hilft uns dabei, eine übersichtliche, zu unserem persönlichen Kleidungsstil passende, Garderobe zu erstellen und gibt darüber hinaus hilfreiche Tipps in Sachen reduzierter Konsum. Über codobuch.de, 25 €

 

 

peppermynta-peppermint-fair-fashion-capsule-wardrobe-aufraeumen-marie-condo-magic-cleaningEntrümpelungs-Bibel: Magic Cleaning – »Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert« von Marie Kondo. Die japanische Aufräum-Queen Marie Kondo verordnet uns eine strenge Diät in Bezug auf die Dinge, die uns umgeben. Nach der Lektüre hat man das dringende Bedürfnis, sich mindestens von der Hälfte seines Hab und Guts zu trennen. Magic Cleaning, Teil I hilft uns dabei, uns von unnötigem Ballast zu lösen (und der sammelt sich bekanntermaßen besonders gerne in unseren Kleiderschränken an), während Magic Cleaning, Teil II uns verrät, wie Wohnung und Seele aufgeräumt bleiben. Über codobuch.de, 9,99 €

 

 

Fotos: Shutterstock, PR