Coffee to go – Gibt’s auch in nachhaltig!

Nachhaltig leben, Eco Lifestyle: Coffee to go – Gibt's auch in nachhaltig! – Einwegbecher

Laut der Deutschen Umwelthilfe, kurz DHU, verbrauchen wir stündlich rund 320.000 Coffee to go-Becher. Ziemlich trist und alles andere als nachhaltig, oder? Zählen wir all die Kaffeestündchen zusammen, so kommen wir auf rund drei Milliarden Einwegbecher pro Jahr. Nur in Deutschland. Das sind jährlich 40.000 Tonnen Müll. Berlin ist dabei mit 460.000 Bechern pro Tag Spitzenreiter. Dabei gibt’s inzwischen jede Menge tolle Alternativen!

Zum Start in den Tag gibt es fast nichts Schöneres, als im Café oder dem Bäcker um die Ecke endlich die warme Stärkung in den noch müden Händen zu halten. Frischer Kaffee, schaumig geschlagener Cappuccino oder aufgebrühter Tee. To go. Denn wir müssen ins Meeting, die Kinder in den Kindergarten bringen oder noch fix einkaufen, bevor der Tag richtig startet. Sowieso – der Morgen Zuhause verging viel zu schnell. Oder der erste Kaffee nach dem Aufstehen ist schon viel zu lange her.

Lieber draußen sein, als drinnen. Schnell sein, anstatt einen Moment Rast zu machen. Gründe gibt es Tausende, warum wir unterwegs zum Becher greifen. Und dieser Artikel soll auch kein Straßenverbot für Kaffee sein. Nein! Bitte genießt all eurer Wege, seid frei und trinkt Kaffee, egal wann und wo ihr wollt. Aber immer Einweg?

Coffee to go – Ist doch nur Papierkram!?

Auch wenn der Hauptteil von Kaffeebechern Papier ist, kann er nicht recycelt werden. Es gibt einige Faktoren, die dem guten Gedanken einen Strich durch die Milchschaum-Rechnung machen. Was die meisten nicht wissen: Coffee to go-Becher sind innen mit Polyethylen beschichtet, damit das Papier außerhalb nicht durchweicht. Jeder »Papierbecher« besteht also immer zu mindestens 5% aus Plastik und wird gemeinsam mit anderem Restmüll verbrannt, Plastikdeckel nicht mitgezählt. Dadurch sind Kaffeebecher sogenannte »Mehrkomponentenprodukte« und können nicht zurück zu Papier verarbeitet werden.

Nachhaltig to go – gibt es Kaffeebecher zum Mitnehmen, die recycelt werden können?

Gibt es denn keinen Kaffeebecher zum Mitnehmen, der recycelt werden kann? Schwieriges Thema. Wir haben uns dazu mit Natalie Richter getroffen, die 2012 mit ihrer Idee startete, einen umweltfreundlichen Kaffeebecher zu entwickeln. SlashCup hieß das gute Teil. »Wir alle lieben Kaffee. Und wir wollen unterwegs nicht auf unsere Spontanität verzichten. Der Müll, der dabei produziert wird, hat mich zum Nach- und Umdenken gebracht.« Ihre Idee war es, einen Becher zu entwickeln, bei dem außenliegendes Recyclingpapier und innenliegendes ökologisches Material (kein Plastik, sondern ein Abfallstoff aus der Zuckerrohrproduktion) voneinander getrennt werden können. »Quasi wie das Prinzip der trennbaren Joghurtbecher«, erklärt uns Natalie, die heute Gründerin und Inhaberin der Apfelsaftmarke leev ist. Beides würde dann laut Idee getrennt entsorgt werden, der beschichtenden Innenteil sollte binnen 40 Tagen überall kompostiert werden. SlashCup wäre somit der erste 100% recycelbare und nachhaltig produzierte Kaffeebecher to go geworden. »Ich habe echt viel Herzblut in diese Idee gesteckt, aber am Ende hat uns leider das Material im Stich gelassen. Wir mussten aufgrund der Nachfrage auf dem Markt unterschiedliche Becher-Größen anbieten. Small, Medium und Large. Hier hat unser entwickeltes Material die Anforderungen leider nicht erfüllen können. Ich hoffe, dass es bald weitere innovative Rohstoffe gibt und Industrie und Verbraucher offen für das Thema bleiben.« Oh Natalie, das hoffen wir auch!

 

Refill it! – ein cleveres Mehrweg-Pfandbecher-System

Jetzt aber bloß kein Trübsal blasen! Seit Natalies SlashCup-Idee im Jahre 2012 hat sich einiges getan. Damit der Coffee to go nicht zum No Go wird, entwickeln immer mehr Verbände und Organisationen praktikable Konzepte, die die Müllfluten abebben lassen. In Hamburg beispielsweise gibt es den fairen Kaffeebecher »Refill it!«, ein Mehrweg-Pfandbecher-Poolsystem der nachhaltigen Kaffeerösterei El Rojito. Der spülmaschinenfeste Becher der Marke NoWaste ist zu 100% in Deutschland gefertigt und ebenso zu 100% kompostierbar. Kurzum erklärt: In teilnehmende Cafés leiht man sich einen »Refill it!« Becher für 1,50 Euro. Deckel und rotes Filz kommen noch einmal mit 1,50 Euro oben drauf. Dann heißt es erstmal: Genießen! Im Anschluss hat man zwei Möglichkeiten. Den Becher immer wieder in allen teilnehmenden Cafés auffüllen lassen oder ebenso bei allen Partnern wieder abgeben und die 1,50 Euro zurück bekommen. Deckel und Filz bleiben deins! Das ganze System ist auf einer Non-Profit Ebene angelegt, das bedeutet, dass die Gastronomen daran nichts verdienen. Die Entscheidung, »Refill it« anzubieten, ist also eine zu 100% nachhaltig und ehrlich getroffene.

 

 

Wir haben deshalb gleich im Hamburger Café Herr Max vorbeigeschaut, das die »Refill it« mit Freude und Herz unterstützt. Matthias Max, Inhaber und Namensgeber der schmackhaften Tortenmanufaktur, betreibt seinen Laden zusammen mit seiner Frau Julia bereits seit über neun Jahren. Dabei steht ein regionaler Bezug seiner Produkte und der Genuss im Vordergrund. »So machen wir das mit unseren Kuchen, unseren Marmeladen und natürlich unserer Kaffeekultur!« Für Matthias gab es einen Aha-Moment, in dem er wusste, dass der Coffee to go-Trend mit seiner Wegwerfkultur für ihn keine Option mehr ist: „Ich war an einem sonnigen Nachmittag in einer kleinen Café-Bar bei mir in der Nähe und habe mir einen Kaffee mitgenommen. Einen perfekten Kaffee! Weicher Milchschaum, milde Note, genau die richtige Temperatur. Und so genoss ich meinen Kaffee auf meinem Weg und stand dann mit dem leeren Becher vor dem nächsten Mülleimer. Ich fand es so schade, dass ich diesen Genuss jetzt in die Tonne hauen musste und fand, dass dieses Wegwerfen dem wundervollen Kaffee gar nicht gerecht wurde. Und ich finde, jeder hat das Recht, auch unterwegs zu genießen! Dann haben El Rojito ihr Pfandbecher-System vorgestellt und ich war sofort Feuer & Flamme.« Seitdem hat Matthias bereits mehr als 250 der »Refill it« Becher verkauft. Viele Leute aus den umliegenden Büros beispielsweise nutzen den Becher. »Dein Kaffee in der Mittagspause ist so super nachhaltig planbar. Einfach den Becher im Büro lassen und in der Pause bei uns vorbeischauen«, verrät uns Matthias und nippt genüsslich an seinem slow brewed coffee, den er genauso herzlich und liebevoll aufgießt, wie er das Thema unterstützt.

 

Einziges Manko: Um deinen ökologischen Fußabdruck hier in Balance zu halten, solltest du deinen »Refill it«-Becher viele Male nutzen, um den Energieaufwand der Produktion auszugleichen. Der Becher ist leicht und nimmt keinen Platz weg – hier gibt es also keine Ausreden mehr! Also: Raus in die Welt. Morgens in Ruhe eine Tasse Kaffee Zuhause trinken und unterwegs auf ökologische und nachhaltige Alternativen umsteigen.

First coffee, then the world! Enjoy!

 

Fotos: Roman Dachsel

 

Und hier geht’s zu unserem Interview mit Lu Yen Roloff, internationale Pressesprecherin bei Greenpeace Deutschland. Wir haben mit ihr über Donald Trump und den Klimawandel gesprochen.