Greenpeace Interview – Trump und der Klimawandel

Donald Trump, der das Klima für einen »Scherz« hält, hat gerade eben verkündet, aus dem Pariser Klimaschutzabkommen auszutreten. Ein unfassbarer Schritt und ein weiterer Beweis dafür, dass Trump jegliches Verantwortungsbewusstsein für eine Weltgemeinschaft fehlt – wir haben bereits im Frühjahr diesen Jahres mit Lu Yen Roloff, internationale Pressesprecherin für die Detox my Fashion-Kampagne bei Greenpeace Deutschland, ein Interview über Donald Trump und den Klimawandel geführt. Und wir haben darüber gesprochen, welchen Anteil die Textilindustrie und unser Kleiderkonsum am Klimawandel haben und wie wir selbst aktiv werden können.

Während seines Wahlkampfes hatte Donald Trump immer wieder hartnäckig jeglichen Zusammenhang zwischen menschlichem Handeln und dem Klimawandel bestritten und den Klimawandel stattdessen als Erfindung der Chinesen bezeichnet. Diese hätten das Ganze bloß erfunden, um den Vereinigten Staaten ökonomisch zu schaden. Zudem kündigte er an, aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen zu wollen. Und das, obwohl sich während des Gipfels endlich erstmals alle 195 Industrie- und Schwellenländer auf einen neuen Weltklimavertrag (der Nachfolgevertrag für das Kyoto-Protokoll von 1997) geeinigt hatten sowie darauf, gemeinsam gegen den Klimawandel vorzugehen.

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Lu Yen, was war dein erster Gedanke, als du erfahren hast, dass Donald Trump das Rennen gegen Hillary Clinton gewonnen hat und der nächste Präsident der USA wird?
F***! Gefolgt von produktiver Wut – ich möchte nicht länger tatenlos zusehen, wie Rechtspopulisten den öffentlichen Diskurs kapern und Menschen mit Lügen, Angst- und Hassrhetorik auf ihre Seite ziehen. Ich suche gerade nach Wegen, politisch tätig zu werden, mich einzumischen, öffentlich für Demokratie, Offenheit, Gleichheit und Humanität einzutreten – und ich glaube, dass wir unsere Werte nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten, Geld und Zeit aktiv vertreten sollten und uns dabei gegenseitig unterstützen müssen. Damit wir dieses Jahr bei der Bundestagswahl nicht ähnliche Schocks erleben.

Wie waren die Reaktionen am Tag nach der US-Wahl unter deinen Kollegen bei Greenpeace?
Wie alle progressiv denkenden Menschen waren viele schockiert. Insbesondere die Kollegen aus den USA haben nach dem ersten Schock auf Krisenmanagement umgestellt und sich mit anderen Klimaschutzorganisationen verbündet, um gemeinsam gegen Trump und sein Kabinett der Klimaleugner zu kämpfen. Love Harder, Fight Harder!

Bekommen wir ohne die USA als Klima-Verbündeten das Ruder überhaupt noch rumgerissen?
Ich kann zum Thema Klima nur als Privatperson sprechen: Das Ziel, unter der 1,5 Grad Erwärmung zu bleiben, ist sehr ambitioniert und wird nur klappen, wenn möglichst schnell und umfassend gehandelt wird. Hier wird es auf die tatsächlichen Anstrengungen der teilnehmenden Länder weltweit ankommen – und jeder kann seine Regierung mit Briefen und Anrufen daran erinnern, dass wir von ihr eine Zukunft mit erneuerbaren Energien fordern; persönlich sollte man – wenn noch nicht geschehen – noch heute zum Ökostromanbieter wechseln.

 

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Im Dezember vergangenen Jahres hat Trump den Öl-Manager Rex Tillerson, Chef des Ölkonzerns ExxonMobil in sein Kabinett geholt und zum Außenminister ernannt, während wir uns in Deutschland seit Jahrzehnten um den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas bemühen…
Eine für die Umwelt desaströse Entscheidung; ebenso wie der Vorschlag des Fossilenergie-Lobbyisten Scott Pruitt, der als Leiter der Environmental Protection Agency (EPA) nominiert ist und diese am liebsten dicht machen würde.

In welchen Ländern zeigt sich der Klimawandel derzeit am deutlichsten?
Da muss man nur die Katastrophen-Nachrichten beobachten: Länder wie die Philippinen, Taiwan aber auch die USA werden von den schlimmsten Orkanen ihrer Geschichte heimgesucht. Bei einer Greenpeace-Konferenz habe ich neulich philippinische Opfer des Taifuns Hayan getroffen. Eine Frau hatte ihre Eltern, ihre Brüder und Neffen im Sturm verloren. Insgesamt sind fast 8000 Menschen gestorben, über 1 Million Menschen sind obdachlos geworden. Weltweit sind über 50 Inselstaaten, vor allem im Westpazifik, vor dem Untergang bedroht; das australische Great Barrier Reef, in dem ich nach dem Abi noch geschnorchelt habe, ist fast tot. Aber auch in Städten wie New York oder Hamburg steigt die Chance für Hochwasser.

Welche Auswirkungen werden wir hier in Europa in den kommenden Jahren zu spüren bekommen, beziehungsweise welche bekommen wir schon längst zu spüren?
Ich kann nur aus dem Fenster sehen und bemerken, dass ich schon ewig keinen echten Winter mit Schnee in Norddeutschland erlebt habe; dass die Sommer im Vergleich zu meiner Kindheit vor 35-30 Jahren wechselhafter und nasser geworden sind. Und ich lese Nachrichten – von grün gebliebenen Skigebieten, vom Klimawandel bedrohten Weingütern oder dem Einwandern nicht heimischer Insekten oder Vögel. Heftige Stürme haben auch in Deutschland zugenommen, erst kurz vor Silvester war in der Folge unser Greenpeace Gebäude in der Hafencity Hamburg durch Hochwasser betroffen.

 

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Die Textilindustrie trägt ja mit ihrem hohen Energieverbrauch durch die Produktion synthetischer Stoffe auch zum Klimawandel bei. Dazu vergiftet sie Flüsse und Trinkwasser und verursacht enorme gesundheitliche Schäden sowie massive Umweltschäden. Trotzdem hat der Textilkonsum in den vergangenen Jahren stark zugenommen, vor allem auch in Ländern wie China und Indien. Tendenz steigend. Inwiefern wirkt sich der weltweit rapide zunehmende Konsum negativ auf Mensch und Umwelt aus?
In Deutschland gehören wir international bereits zu den Ländern mit dem höchsten Kleiderkonsum pro Kopf. Das Schlimme daran: Viel zu viel landet inzwischen ungetragen im Schrank oder wird nach einmaligem Tragen weggeschmissen. Es ist also alles umsonst: Die giftigen, oft auch im menschlichen Hormonsystem wirksamen Chemikalien, die bei der Färbung von Stoffen oder dem Gerben von Leder ungefiltert in asiatische Flüsse geleitet werden und von dort in die Ozeane; die krankmachenden und bodenverpestenden Pestizide, mit denen die konventionelle Baumwolle bespritzt wird; die Kohle und das Öl, die bei der Herstellung von Synthetikstoffen wie Polyester oder Acryl massenhaft verbraucht werden; dazu die unmenschlichen Arbeitsbedingungen für Millionen von Frauen und Kindern in Ländern wie Bangladesh oder Indien. Es ist das sinnloseste Konsumverhalten ever, wenn wir auf die Marketingstrategien der Fast Fashion Konzerne reinfallen und im Impuls einen weiteren billigen Fummel kaufen, der danach achtlos entsorgt wird. Hier brauchen wir dringend einen andere Modekultur, die sich auch ein bisschen an der Vergangenheit orientiert – früher hat man in Kleidung investiert, sie gepflegt und vererbt, einen eigenen Stil entwickelt, statt wöchentlichen Trends zu folgen. Auch der menschliche Bezug muss wieder hergestellt werden. Wenn du das Gesicht der Frau kennst, die dein Kleidungsstück mit viel Mühe genäht hat, gewinnt es auch automatisch an Wert.

Im Rahmen der erfolgreichen Detox-my-Fashion-Kampagne hat sich Greenpeace für die nächsten Jahre zum Ziel gesetzt, Menschen für einen bewussteren Kleiderkonsum zu sensibilisieren und Fast Fashion den Kampf anzusagen. Wie kann ein Umdenken bei Unternehmen und Verbrauchern gelingen?
Step by step! Ich würde für den Anfang mal auf Netflix die Doku »The True Cost« gucken. Dann gibt es jede Menge tolle Alternativen zum Neukauf, die wir bekannter machen wollen – Upcycling, DIY, Second Hand, Kleidertauschparties, Kleiderbibliotheken und Leasing sind Schritte zu nachhaltiger Fashion; auch viele kleine, nachhaltige Modelabel, Manufakturen und traditionelle Hersteller produzieren umwelt- und sozialverträglich. Wir schauen uns auch an, ob es politische Lösungen gibt – etwa eine Steuererleichterung für Reparaturen wie in Schweden, oder Gebühren für Modekonzerne im Rahmen einer sogenannten »Extended Producer Responsibility«, mit denen diese Entsorgungskosten tragen müssten. Unternehmen müssen sich ihrer Verantwortung stellen und auf nachhaltige Herstellung und Geschäftsmodelle achten – wir als Konsumenten können sie dabei unter Druck setzen, denn von alleine werden sie ihre Geschäftsmodelle nicht einfach ändern.

Was kann ich selbst tun, um diesen Fast Fashion-Kreislauf zu durchbrechen?
Wie wäre es mit einem Shopping-Detox? Einfach mal 30 Tage nichts shoppen, und statt dessen den eigenen Kleiderschrank unter die Lupe nehmen, ob sich nicht das ein oder andere neu kombinieren, tauschen oder aufwerten lässt. Auf Instagram die #30wears-Challenge machen. Konzepte wie eine Capsule Wardrobe oder die Auseinandersetzung mit dem eigenen Style – wie ihn beispielsweise Anuschka Rees mit »The Curated Closet« vorschlägt – können helfen, sich dem Trendkarussell zu entziehen. Und wenn schon shoppen, dann möglichst nachhaltig und bewusst. Vor Impulskäufen kann man sich übrigens einfach schützen – nicht bei Sale ziellos in die Stadt gehen oder auf Onlineshops surfen; sich vorher möglichst genau überlegen, was man braucht; Kreditkarte zu Hause lassen.

Ab gesehen von einem nachhaltigerem und deutlich reduzierterem Textilkonsum, was kann jeder einzelne von uns noch tun, um dem Klimawandel entgegenzuwirken und dazu beizutragen, den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen?
Weniger Fleisch essen, statt mit Auto und Flugzeug mit der Bahn reisen oder Fahrrad fahren; auf Strom aus erneuerbaren Energien umstellen. Mobilfunkanbieter, Server, Apps und Streamingdienste daraufhin auswählen, ob sie mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Und sich politisch engagieren – schreibt Politiker an, spendet an Klimaschutzorganisationen, unterschreibt Petitionen, geht auf die Straße.

 

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Die Fakten sprechen eindeutig für sich – glaubst du, dass Trump den Klimawandel trotzdem weiterhin leugnen wird?
Greenpeace und andere Organisationen wie 350.org oder CAN werden alles dafür tun, dass ihm das nicht gelingt. Trump kann sicher sein, dass rund um seine Inauguration der Protest von Klimaschützern anschwellen wird.

Wenn du Trump auf der Straße treffen würdest (was ja als Hamburgerin anlässlich des anstehenden G20 Gipfels gar nicht so unwahrscheinlich ist) und ihm eine Message mit auf den Weg geben könntest, wie würde diese lauten?
Für inhaltliche Argumente wäre Trump ohnehin nicht zugänglich. Umso wichtiger ist es, dass möglichst viele progressive Menschen jetzt Fakten schaffen. Setzt euer Geld, eure Zeit und eure Energie für die Welt ein, die ihr euch wünscht!

 

PS: Hier könnt ihr euch über die Schattenseiten von Fast Fashion informieren. Außerdem könnt selbst aktiv werden und die Kampagne unterstützen!

Und wer mag, folgt Lu Yen Roloff einfach bei Twitter oder Facebook!

 

Fotos: Katharina Oppertshäuser

Hier erfahrt ihr, wie man gemeinsam mit Greenpeace die Artenvielfalt unserer Nordsee schützen kann kann.