Marie Nasemann – Ein Interview über Fair Fashion

Fair Fashion, Slow Fashion und nachhaltige Mode: Marie Nasemann – ein Interview über Fair Fashion und fairknallt.de

Marie Nasemann ist nicht nur Model, sondern auch Designerin, Schauspielerin und Bloggerin – und hat im vergangen Herbst ihren Fair Fashion Blog fairknallt.de gelauncht. Wir haben dem vielseitig talentierten Model ein paar Fragen über faire Mode, bewussten Konsum und Modelabels mit Vorbildcharakter gestellt. 

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Als Model wirst du täglich mit Mode und den neuesten Trends konfrontiert. Hat sich dein Blick auf Mode (und Beauty) durch deinen Job als Model in den vergangen Jahren verändert?
Durch meinen Job eigentlich nicht. Die Frage, wo und wie produziert wird, ist auf herkömmlichen Fashion Weeks ja eigentlich nie ein Thema. Hauptsache die Sachen sind trendy und sehen gut aus. Alles andere ist in der Branche leider selten relevant.

Wie kam es dann dazu, dass du angefangen hast, dich mit nachhaltiger Mode und nachhaltigem Konsum auseinander zu setzen und deinen Bekanntheitsgrad zu nutzen, um auf Labels aufmerksam zu machen, die Wert auf eine nachhaltige und faire Produktion legen? Gab es einen bestimmten Auslöser?
Ich kann den Zeitpunkt gar nicht genau nennen. Es hat sich mehr oder weniger eingeschlichen, dass ich mir immer mehr Gedanken beim Einkaufen gemacht habe. Dass ich wirklich etwas ändern möchte, wurde mir klar, als im April 2013 in Bangladesch die Textilfabrik Rana Plaza eingestürzt ist und weit über 1000 Menschen tödlich verunglückten.

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Ein Ereignis, das weltweit für Entsetzen und für ein längst überfälliges Umdenken in der Textilbranche gesorgt hat… Seitdem wächst die Zahl derer, die sich von Anfang an dafür entscheiden, unter fairen Bedingungen zu produzieren. Welche Eco Labels trägst du denn selbst am liebsten?
Ich stehe total auf die Jeans von goodsociety. Sie haben eine tolle Passform, sind schön lang (was in der Regel eher selten der Fall ist) und sie sind sowohl ökologisch nachhaltig als auch fair produziert. Ansonsten liebe ich die Kleider vom New Yorker Label Reformation, die Heels von Alina Schürfeld und die Yogawear von Mandala.

Welches deutsche oder internationale Eco Label hat in deinen Augen absoluten Vorbildcharakter?
Auf jeden Fall Armedangels. Das sind echte Pioniere, die zu den ersten deutschen Labels gehören, die von Anfang an als Eco Label an den Start gegangen sind. Aber auch internationale Firmen wie Stella McCartney und Filippa K zeigen, wie man sich als Label stückchenweise neu aufstellen kann. Filippa K hat sich zum Beispiel das Ziel gesetzt, bis 2030 komplett nachhaltig zu produzieren. Das ist ein realistisches, aber nicht zu übermotiviertes Ziel. Also eines, das sich auch wirklich umsetzen lässt.

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Was würdest du dir von der deutschen beziehungsweise von der weltweiten Textilindustrie wünschen?
Ich würde mir wünschen, dass die großen Firmen mutiger werden und bereit sind, einen Schritt in die nachhaltige Richtung zu gehen. Vom Staat würde ich mir mehr Richtlinien wünschen. Mein Traum wäre es, auf jeder Eingangstür eines Geschäfts, beziehungsweise auf jeder Webseite eines Online Stores Hinweise zur Herstellung der Produkte zu bekommen. Wie bei Lebensmitteln, möchte ich auch beim Kauf von Kleidung wissen, was drin steckt und woher sie kommt.

Worauf achtest du, wenn du Kleidung (und Kosmetik) kaufst? Welche Aspekte liegen dir besonders am Herzen?
Mein Kleiderschrank ist nicht 100 Prozent nachhaltig, aber in bestimmte Läden gehe ich aus Prinzip nicht mehr. Generell konsumiere ich gezielter und überlege mir genau, was ich wirklich brauche. Ich shoppe nicht mehr, um mich für etwas zu belohnen, mich zu trösten oder abzulenken.

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Wie würdest du die Idee, die dem Fair Fashion Blog Fairknallt.de zugrunde liegt, in ein, zwei Sätzen skizzieren?
Faire und nachhaltige Mode kann nicht nur modisch, sondern auch sexy sein. Ich möchte meinen Followern zeigen, wie das geht und sie dadurch ermutigen nachhaltiger zu shoppen.

Wie könnte man noch mehr Menschen (den Mainstream) dafür begeistern, weniger, dafür jedoch nachhaltiger & fairer zu konsumieren?
Letztendlich muss das Produkt überzeugen. Menschen kaufen eben nur Dinge, die sie schön finden und die sich toll anfühlen. Die Designs müssen so stark überzeugen, dass die Nachhaltigkeit letztendlich nur positiver Nebeneffekt ist.

Ist bewusster (und weniger) Konsum eigentlich in deinem Freundes- und Bekanntenkreis ein Thema?
Momentan bin ich ehrlich gesagt noch ziemlicher Vorreiter. Aber das wird sich ändern. Als ich vor sechs Jahren meinen Brüdern erzählte, dass ich kein Fleisch mehr esse, haben sie laut gelacht. Inzwischen sind sie total an veganer Ernährung interessiert und bereiten sich Smoothies zu (lacht).

Wie, glaubst du, wird sich das Konsumverhalten in den kommenden 20 Jahren verändern?
Ich glaube, dass wir uns gerade in einem Umbruch befinden. Wir haben festgestellt, dass uns Konsum-Anhäufungen eher belasten, als gut tun. Wir teilen unsere Büros, Autos, ja sogar unsere Wohnungen mit fremden Menschen. Und wir stellen fest, dass ein Leben mit weniger Dingen sehr befreiend sein kann. Ich hoffe, dass sich dieses Verhalten auch auf die Mode überträgt. Es gibt ja bereits zahlreiche tolle Sharing-Modelle wie beispielsweise die Kleiderei. Konsum an sich ist vollkommen ok. Aber er sollte gezielter, selektierter und bewusster sein.

Fotos: Katharina Oppertshäuser

PS: Lieben Dank an das Café Johanna, in dem (beziehungsweise vor dem) Interview und Fotos entstanden sind und wo man vorzüglich speisen und den mit Abstand besten Kaffee weit und breit trinken kann.

 

Hier geht’s zu unserem Shooting: Marie Nasemann – Fashion Fashion für den Herbst.

Und hier geht’s zu einem weiteren Artikel mit einem GNTM-Model: Sara Nuru – Unsere Favorite Fair Fashion Week Looks!