Fliegen lernen: Acro Yoga – Interview mit Lucie Beyer

Fair Fashion und Eco Yogawear – Die schönste faire Yogamode - mit Lucie Beyer

Wir haben die Berliner Yoga- & Acro-Yogalehrerin Lucie Beyer in nachhaltiger Yogawear fotografiert und mit ihr über den neuen Trend Acro Yoga gesprochen, über die Leichtigkeit des Seins, über Perfektionsfallen und darüber, wie Ängste buchstäblich verfliegen können. Lucie Beyer ist eine Bewegungskünstlerin von Herzen und liebt Handstände. Sie wohnt in Berlin und unterrichtet weltweit Workshops, Trainings & Retreats. Als zertifizierte Yoga- & Acro-Yoga-Lehrerin (Level 2) und leidenschaftliche Bodyworkerin verfolgt sie einen spielerischen Ansatz, der dennoch tief in der Tradition wurzelt. In ihrer Arbeit legt sie großen Wert auf ein heilsames, vertrauensvolles Miteinander, aus dem Menschen jeden Alters ihr volles Potential entfalten können. Lucie organisiert unter anderem das deutsche Acro-Yoga-Festival »German Kula Celebration« mit.

Wann und wie bist du erstmals mit Yoga in Berührung gekommen?
Das war mit 18. Ich habe damals in einer Kunstschule gejobbt und meine Kunstlehrerin hat einmal in der Woche eine Yoga-Privatstunde bekommen. Da »musste« ich dann mitmachen. Während der Anfangsentspannung bat uns die Yogalehrerin tief ein- und auszuatmen. Da habe ich plötzlich heftig zu weinen begonnen. Danach habe ich fünf Jahre lang erst mal die Finger von Yoga gelassen… Meine »Liebesaffäre« mit Yoga fing dann mit 23 an, während meiner Kinder-Yogalehrer-Ausbildung.

Wann hast du erstmals Acro Yoga praktiziert?
Das war im ersten Jahr meiner zweijährigen Yogalehrer-Ausbildung. Ich traf damals die wunderbare Yogalehrerin Julia Weis in einem Ashram. Wir wurden beide immer miteinander verwechselt, ohne einander zu kennen. Als sie mir von Acro Yoga erzählte, war mir klar, dass ich es machen möchte. Meine ersten Flugversuche hatte ich ja eh bereits als Kind mit meinen Eltern erlebt, etwas professioneller lief es dann als Erwachsene in einem Workshop im YogaRaumBerlin 2008.

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Welche Elemente fließen beim Acro Yoga zusammen?Yoga, Partnerakrobatik und Healing Arts. Die Gewichtung hängt immer sehr mit den Schwerpunkten des jeweiligen Lehrers zusammen. Da hier drei sehr intensive Praktiken zusammenfließen, ist es als LehrerIn eine Herausforderung, in allen dreien auch versiert zu sein. Ich bin sehr glücklich, Acro Yoga als meinen Weg gefunden zu haben, da die Mischung mir eine sehr umfassende und durch die Heilkunst auch nachhaltige Praxis schenkt. Zudem liegt das Gruppenerlebnis und die Partnerarbeit ganz stark im Vordergrund, was ich sehr begrüße – es macht einfach mehr Spaß! Es gibt beim Acro Yoga also nicht nur die sportliche, körperspannende Richtung, sondern auch das komplett Entspannende, wie die Massage und das therapeutische Fliegen.

Muss man extrem sportlich, bzw. gut durchtrainiert sein, um sich auf diese Art von Yoga einlassen zu können?
Nein. Ich habe bereits meine gesamte Familie geflogen, 1-75 Jährige, Menschen mit nur einem Bein oder Menschen, die im Rollstuhl sitzen. Es ist unsere Entscheidung, zu vertrauen, mutig zu sein und zu fragen ob man »mitspielen« kann – wie im echten Leben halt. Gerne hätte ich meine Großeltern noch geflogen. Meine Oma hat immer soviel gelacht, das wäre sicher eine tolle Erfahrung gewesen. Wir bieten in den Anfängerworkshops immer erste Schritte an. Es dauert ja schließlich auch, wenn wir Menschen gehen lernen und Fallen gehört eben dazu. Es ist einfach die Frage, wie gut man dabei unterstützt und aufgefangen wird und da bietet Acro Yoga ein wunderbar sicheres Setting zum Ausprobieren.

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Kinder sind wunderbare Lehrer. Sie erinnern uns, dass unser Körper von Natur aus »fallen« kann

Wie gehst du mit Ängsten (zum Beispiel die Angst vor dem Umfallen) um – sowohl mit deinen eigenen und mit denen deiner Schüler?
Ich nehme Angst erst einmal ernst. Meistens findet Angst in unserem Kopf statt. Wir haben beispielsweise Angst vor Wölfen und Haien, obwohl die Gefahr eines Autounfalls wesentlich größer ist. Unser Gehirn speichert Erfahrungen ab. Gibt es dort viele Negativ-Erinnerungen oder auch einfach Denkansätze, die wir uns angeeignet haben, dauert es einfach eine Weile, sich einen neuen Skill anzueignen wie zum Beispiel auf den Händen zu stehen. Mir ist es ganz wichtig, niemals etwas zu pushen, noch zu etwas gedrängt zu werden. Gerade bei der Partnerakrobatik lege ich großen Wert auf ein achtsames Miteinander, da man nur so nachhaltig gemeinsam wachsen kann.
Es gibt so viele Übungen und Antworten, mit denen man unserer sehr menschlichen Angst begegnen kann. Geduld ist eine davon und die konstante Entscheidung, den Lebenswillen stärker als die Angst sein zu lassen.
Kinder sind dafür wunderbare Lehrer. Sie erinnern uns, dass unser Körper eigentlich von Natur aus »fallen« kann und Schwerkraft kein Feind ist. Stattdessen sollten wir lernen, die Vorzüge der Schwerkraft zu nutzen, um sich tragen zu lassen und Fliegen zu lernen!
Meine Erfahrung und auch Statistiken belegen, dass die meisten Unfälle im Haushalt oder im täglichen Leben stattfinden. Bei der Akrobatik ist das Risiko relativ gering, da der Fokus und die Konzentration größer sind, als wenn man zu Hause eine Leiter besteigt oder eine Straße überquert. Die größte Gefahr ist, wie so oft, unser Ego. Wenn wir zum Bespiel denken, dass wir alles ohne Hilfestellung hinbekommen oder uns verletzen, weil wir unseren Körper überlasten – egal ob bei der Akrobatik, beim Yoga, Tanz oder Fußball. Achtsamkeit ist das wichtigste Fundament für jede Bewegungspraxis. Und die reine Bewegungsfreude.

Gibt es einen Trick, mit dem man diese Ängste überwinden kann?
Tief atmen. Sich nicht zu etwas drängen (lassen), für das man nicht bereit ist und sich mit Menschen umgeben, die einem in seinen individuellen Prozess unterstützen und in einem gesunden Maße fordern. Man sollte die Angst als guten Freund betrachten, da dort wo die Angst sitzt, auch der Weg zu Lebendigkeit und Abenteuer wohnt. Egal ob es sich dabei um eine Begegnung mit einem anderen Menschen, eine Reise oder eine akrobatische Position handelt. Angst ist ein wunderbarer Wegweiser.

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Man lernt, sich von anderen Menschen und vom Leben tragen zu lassen

Was geschieht mit deinen Schülern während eines Acro Yoga Workshops?
Sie haben Spaß und bekommen meistens – je nach Schwerpunkt – etwas Muskelkater. Sie begeben sich Upside Down und verändern ihre Perspektive auf vielen Ebenen. Sie lernen andere wunderbare Menschen kennen. Und dass sie leicht genug sind, um von anderen Menschen und vom Leben getragen zu werden und stark genug, um andere Menschen »fliegen zu lassen«. Außerdem werden sie feststellen, dass Berührung ein Grundbedürfnis ist und zudem eine ganz wunderbare Sache.

Führt eine regelmäßige Acro Yogapraxis zu einer mentalen und/oder körperlichen Veränderung? Und wenn ja, zu welcher?
Das kommt sehr auf den Menschen an, da jeder Mensch und jeder Weg einzigartig ist. Yoga bedeutet Einheit und Acro Yoga setzt diese Bedeutung ganz praktisch um. Acro Yogis sind in der Regel sehr integrierend und haben ein gutes soziales Verständnis, da es immer ums Teilen und eine Balance von Geben und Nehmen geht. Was das Körperliche angeht, kann es schon sein, dass man das eine oder andere Shirt aussortieren muss oder nicht mehr durch die Türen passt. Acro Yoga macht stark, einen tollen Po und man wächst mindestens einen Meter über sich selbst hinaus!

Ist Acro Yoga mehr Perfektion oder eher Spiel?
Ich glaube an die Perfektion des Imperfekten. Keine perfekte Pose ohne Fallen. Zu Beginn einer neuen Pose ist es in etwa so, wie beim Surfen lernen. Man verbringt wesentlich mehr Zeit im Wasser als auf dem Board. So ist es auch beim Acro Yoga. Man springt auf, hält es für ein, zwei Sekunden und schwupps ist man wieder unten. Aber weil es so viel Freude bringt, springt man einfach gleich wieder auf. Wenn die Spielfreude nicht da wäre, würde das so nicht funktionieren. Das Tolle ist, dass man gar nichts vom Workout mitbekommt, eben weil es soviel Spaß macht. Erst am Abend ist der Körper so wohlig schwer, dass man schon beim Zähneputzen einschläft…
Ich werde mich immer als Beginner fühlen. Werde meine ersten Flugversuche erinnern und wie viel Mut und Überwindung es mich gekostet hat. Es gibt zudem immer etwas Neues zu lernen – only the sky is the limit!

Perfektion findet aber ja paradoxerweise, unter anderem dank Instagram, leider immer mehr Verbreitung in der Yogawelt …
Klar, wenn ich meine Workshops bewerbe, zeige ich auch, was ich kann. Wir wollen zu unseren Lehrern hinaufschauen und wir wählen unsere Lehrer ja aus, damit wir etwas von ihnen lernen, was wir noch nicht können. Aber ich möchte mit meinen Fotos auf Instagram oder Facebook nie abschrecken, sondern faszinieren und einladen. Ich weiß, dass jeder Mensch fliegen kann, auf seine ganz besondere eigene Art und Weise. Wir wurden mit Flügeln geboren, wir müssen uns nur an sie erinnern.

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Wie lautet dein wichtigster Ratschlag an Menschen, die zum ersten Mal in eine Acro Yoga Klasse kommen?
Genießt es! Und seid einfach authentisch. Erlaubt euch euren Körper zu genießen, Fehler zu machen und teilt euer Herz mit den anderen – das Beste, was wir in unserem Leben machen können.

Und last but least: Welche Rolle spielt die Yogawear, die du während deiner Yogapraxis trägst?
Stabil sollte sie sein! Und da man als Yogi & Acro Yogi irgendwann kaum noch was anderes trägt, darf sie auch schick sein. Die Klamotten, in denen wir uns bewegen, werden wie zu einer zweiten Haut und wenn ich weiß, dass sie sitzt – nichts rausfällt oder reißt, kann ich mich wesentlich besser fokussieren.
Bei meiner Wahl unterstütze ich gern nachhaltige Brands, die meist in Deutschland oder in Europa fair und organisch produzieren. Einen Kompromiss musste ich bei meinen Pants machen – nachdem mir dann doch beim Unterrichten eines Workshops mal eine Baumwollhose gerissen ist, trage ich fast nur noch Plastikleggins. Aber auch die gibt es ja inzwischen in Recycling-Varianten. Keep on Flying!

Fotos: Florian Grill
Haare & Make-Up: Lisa Scharff
Styling: Lesley Sevriens
Yogis: Lucie Beyer & Jörg Jungwirth
Fotoassistenz: Mana Komiyama

Und hier könnt ihr unser Eco Yogawear Shooting mit Lucie in voller Länge bewundern!