Zero Waste-Tipps – Plastikfrei und unverpackt einkaufen!

Eco Lifestyle: Zero Waste-Tipps – Plastikfrei und unverpackt einkaufen! – Stückgut Hamburg

Unverpackt einkaufen leicht gemacht! Sonja Schelbach, Mitgründerin von Stückgut, Hamburgs erstem »Unverpackt Supermarkt« hat mir jede Menge wertvolle Zero Waste-Tipps mit an die Hand gegeben, die euch unter keinen Umständen vorenthalten möchte. Was für ein erkenntnisreicher Vormittag! 

Rund 17 Tonnen neuen Verpackungsmüll verbrauchen wir Deutschen jedes Jahr. Damit sind wir Spitzenreiter in Europa. Massenhafter Versandhandel im Internet, Coffee-to-go Becher oder Einweg-Tragetaschen. Ein Teil davon kann recycelt werden. Ein anderer nicht, insbesondere Kunststoffe. Was können wir tun, um unseren Konsum umweltfreundlicher oder gar verpackungsfrei zu gestalten?

Plastikmüll flutet aktuell unsere Erde. Im wahrsten Sinne. 30% der weltweiten Kunststoffabfälle landen direkt in unseren Weltmeeren. Von Plastiktüte bis Micropeeling-Kügelchen. Von Einwegzahnbürste bis Partygirlande. Laut Greenpeace insgesamt 13 Millionen Tonnen. Jedes Jahr. Ein Ökosystem kollabiert. Meeresbewohner verenden. Müllinseln bilden sich. Wir derweil tragen unsere drei Äpfel in einer Plastiktüte nach Hause, trinken aus Tetrapacks und wollen das Picknick-Geschirr lieber entsorgen, als es Zuhause zu spülen.

Unverpackt einkaufen – einmal  ohne Alles zum Mitnehmen, bitte!

Sonja Schelbach will hier, gemeinsam mit ihren Mitgründern Christiane Bors, Insa Dehne und Dominik Lorenzen, ein Zeichen setzen und Schluss machen mit der Vermüllung unserer Umwelt. »Ich habe mich schon als junges Mädchen für die Umwelt eingesetzt. Ich bin selbst Mutter und will die Welt für meine Kinder als einen guten Ort gestalten und hinterlassen. Der Müll aus der Verpackungsindustrie ist absolut vermeidbar – und wir helfen dabei«, sagt sie. Mit Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne eröffneten die vier im Januar 2017 im Stadtteil Ottensen den ersten Hamburger Lebensmittelmarkt, der komplett ohne Wegwerfverpackung funktioniert. Seit der Eröffnung haben sie bis dato bereits mehr als 25.000 einzelne Verpackungen durch den unverpackten Verkauf »gespart«.

Das Prinzip des Ladens ist einfach. In großen Literbehältern steht alles zum Abfüllen bereit. Von Ölen, über Getreide, Müsli oder Hülsenfrüchte. Aber auch Waschmittel, Shampoo oder Gewürze werden ohne Verpackung angeboten. Jawohl, auch ein nachfüllbarer Lipbalsam gehört dazu. Die Verpackungen werden von den Kunden selbst mitgebracht. Mit einer Waage wird vorab das leere Gefäß gewogen, das Gewicht notiert und schon kann es losgehen.

Verpackungsfrei = Schlepperei!? Ist das wirklich alltagstauglich?

So weit. So gut. So einfach!? Eine kleine Anekdote: Ich liebe das lange Regal bei uns zu Hause in der Küche. Dort stehen Weckgläser in allen Größen und Formen. Befüllt mit Nüssen, Chiasamen oder Datteln. Bis dato kam das meiste davon allerdings nicht verpackungsfrei nach Hause. Warum? Hand auf mein grünes Herz: In meiner Vorstellung war der Gang zum verpackungsfreien Supermarkt ein Tagesmarsch mit Bollerwagen und gefühlten 100kg Glas im Rucksack. Seit dem Gespräch mit Sonja weiß ich: Schwachsinn. Sie hat mir all meine Verpackungs-Geister ausgetrieben und mir gezeigt, wie einfach das müllfreie Einkaufen ist:

Die gute Jute
Liegt genauso federleicht in der Hand wie ihr tatsächliches Gewicht ist. Nämlich quasi gegen Null. Jute und Baumwolltaschen in allen erdenklichen Größen mit Zip-Verschluss sind die perfekte Verpackung für alle trockenen Lebensmittel. Cerealien, Hülsenfrüchte, Nüsse – findet alles darin Platz. Unterm Strich nimmt diese Packungsvariante kaum mehr Platz ein, als eine „normale“ Verpackung. Im Stückgut kann man diese zum Beispiel direkt kaufen und benutzen.

Super-Duper-Dose
Aus der Tasche in den Schrank? Klar – du kannst auch gleich Dosen mitbringen. Am besten eignen sich Metalldosen – aber auch Plastikalternativen wie Maisstärke sind umweltfreundlich. Dosen sind super geeignet für »nasse« Lebensmittel oder Produkte, die schmilzen können, wie beispielsweise Schokolade.

Genie in a bottle!
Ein bisschen Glas muss sein – dann ist die Welt ganz rein. Spaß beiseite. Wenn du im Supermarkt Olivenöl kaufst, dann doch meistens auch in einer Glasflasche, oder? Das nächste Mal die Flasche einfach aufheben und mit in den Supermarkt nehmen.

Wax damit
Käse, Kuchen oder andere »feuchte« Lebensmittel können auch in gewachste Tücher eingewickelt werden. Die sehen nicht nur super aus, sondern machen sich auch gut unterwegs und sind besonders platzsparend.

Kreatives Recyling!
Mein persönlicher Aha-Moment! »Einfach anfangen & machen. Nimm die alte Kaffeetüte mit und fülle deine Bohnen rein. Teepackungen einfach mitbringen. Einige unserer Kunden haben auch ihre »alten« Nudelpackungen im Gepäck. Die normalen Verpackungen sind teilweise so hochwertig – einfach öfter verwenden und keinen neuen Müll produzieren!«, erklärt mir Sonja, während sie stolz ihre x-fach benutzte Kaffeetüte präsentiert. Auch ihnen geht es nicht darum, dass man sofort tabula rasa macht. Schritt für Schritt verpackungsfrei. Verpackungen wiederverwerten ist auch eine Form des verpackungsfreien Einkaufens! Memo an mich – und an dich!

Mittlerweile gibt es mehr als 40 Märkte in ganz Deutschland – hier gibt’s eine super Übersicht! Probiere es aus. Stelle vor Ort all deine Fragen. Entdecke Neues wie wiederverwertbare Wattepads oder Zahnpasta in Pastillen-Form. Jeden Tag ein bisschen grüner!

 

 


STÜCKGUT –  Unverpackt einkaufen und das Leben entschleunigen
Stückgut entschleunigt. Im Laden fühlt es sich an, als kaufe man bei Freunden ein. Vor allem aber entspannt es und macht den Kopf frei. Es gibt eine Sorte Gummibärchen. Eine Sorte Schokomüsli. Und »nur«ein Waschmittel mit Zitronenduft. Ein klares Statement gegen unseren Massenkonsum. Stückgut arbeitet mit Marken aus der Region, um Transportwege und Umverpackungen zu sparen. Dabei ist das wer nicht wichtig, sondern vor allem das wie. Produkte, die auch in der Herstellungs- und Lieferkette komplett verpackungsfrei sind, erhalten ein gesondertes Gütesiegel. Du kaufst immer nur so viel, wie du wirklich brauchst, auch das befreit. Und das zu fairen Preisen: 100g Bioschokolade kosten beispielsweise 1,60 EUR.

Fotos: Roman Dachsel

Und hier geht’s zu unserem Artikel: No More Müll – Die besten Zero Waste-Verpackungen.

Weitere Zero Waste-Inspirationen gewünscht? Hier geht’s zu unserem Artikel: Coffee to go – gibt’s auch in nachhaltig!