Der schwarze Freitag – warum Konsum kein Grund zu feiern ist

Der schwarze Freitag – warum Konsum kein Grund zu feiern ist: Valentinstag, Halloween, Cyber Monday, Black Friday, Singles Day, Baby Shower, Bridal Shower

Es jährt sich. Und wieder heißt es: »Unschlagbar! Schnäppchen! Nur heute!« Der schwarze Shopping-Freitag steht vor der Tür. Und wir machen nicht auf. Allerdings schauen wir mit euch durchs Schlüsselloch und erklären, was Rabatte in unserem Gehirn veranstalten und welche »Bräuche« wenig mit Kultur und viel mit Konsum zu tun haben. Vom Verlobungsring, über Valentinstag bis zur Baby Shower Party.

Cyber Monday, Singles Day, Valentinstag oder Bridal Shower. Ich wette, dass du aus dem Stehgreif neben deinem Geburtstag mindestens drei weitere »Feiertage« aufzählen kannst, an denen ganz schön viel Ramba-Zamba abgeht, die mehr mit Konsum, aber wenig mit Zwischenmenschlichkeit oder gemeinsam gelebter Freude zu tun haben. Diese Liste soll dir einen Überblick über Eventualitäten, Feste und Tage geben, die oftmals keine romantischen Wurzeln haben. Und wenn doch – dann sind sie im Zuge der Kommerzialisierung verklärt worden. Doch von vorn.

Der tiefschwarze Shopping-Freitag & Cyber Monday

Der Schwarze Freitag ist immer der erste Freitag nach dem amerikanischen Feiertag »Thanksgiving«. In diesem Jahr fällt der Tag auf den 29. November (Anmerkung: den Tag solltest du dir vor allem für die weltweite Klima-Demo in deiner Stadt in den Kalender schreiben).

2006 brachte die Marke Apple den Shopping-Tag nach Europa. Der Tag läutet das Weihnachtsgeschäft im Einzelhandel ein. 2018 wurde in Deutschland in Kombination mit dem Cyber Monday, welcher am darauffolgenden Montag stattfindet, 2,4 Mrd. Euro Umsatz gemacht. Während in den USA, aus dem der Schnäppchen-Tag zu uns rüber geschwappt ist, der schwarze Freitag eher analog und stationär stattfindet, vermischen sich bei uns in Deutschland, Österreich und Schweiz die beiden Tage – viele Aktionen finden hauptsächlich online statt. Große News-Seiten verkünden im stündlichen Ticker, wo es gerade die besten Schnapper zu holen gibt. Das Ergebnis? Massenhafter Konsum, ohne nachzudenken.

Greenpeace bezeichnet den vom Einzelhandel initiierten Tag als »schwarzen Tag für die Umwelt«. Warum? Weil unfassbar viele Sachen gekauft werden, die wir eigentlich nicht brauchen. Und weil viele der vermeintlichen Schnäppchen wieder zurückgeschickt werden. Oft wird sogar unter dem Vorbehalt bestellt, dass ein Teil der Sachen wieder zurück geht. Viele der rabattierten Dinge, die dann doch keiner braucht, landen danach im Müll und werden verbrannt. Das Paradoxe? Viele der vermeintlichen Super-Rabatte sind unnötig aufgeblasen. Der Verbraucherschutz hat 1.400 Angebote untersucht und herausgefunden, dass es sich meist nur um 10% bis 25% Rabatt und nicht wie in den Werbebotschaften oft versprochen um Rabatte bis zu 60% handelt.

Doch warum funktionieren solche Rabatt-Tage überhaupt so gut? Das sogenannte »Neuromarketing« beschäftigt sich damit, welche unserer Gehirnregionen in Sachen Kaufverhalten und Werbebotschaften angeregt werden. Bei Rabatten und Schnäppchen wird unser Belohnungssystem angesprochen, welches zeitgleich unsere Entscheidungsfindung verdrängt. Den Effekt kennt sicherlich jede*r. Dadurch entsteht eine Art Kritiklosigkeit. Auch die Veranschaulichung von Verknappung à la »Nur heute!« oder »Nur noch 20 Stück verfügbar« lassen eine Art Angst entstehen. Das Gegenmittel? Distanz. Einmal um den Block laufen und mindestens eine Stunde Zeit vergehen lassen – dann sieht der Kaufrausch gleich schon viel kleiner aus.

Singles Day – einsam einkaufen?

In diesem Jahr wurde am 11.11. von Douglas erstmal der »Singles Day« übernommen. Dieser inszenierte Feiertag kommt aus China. Entstanden ist er aus der Jugendkultur heraus – eigentlich wie eine Art Anti-Valentinstag. Die ganzen Einsen des 11.11. sollen an Alleinstehende erinnern. Singles verabreden sich in Bars, zum Karaoke oder zum Essen und feiern sich selbst. Seit einigen Jahren hat sich die Wirtschaft den Singels Day zu eigen gemacht. Die chinesische Verkaufsplattform Alibaba hat 2018 alleine am Singles Day einen Umsatz von 30,8 Mrd. Dollar erzielt. Es ist der umsatzstärkste Shopping-Tag in China. Basierend auf einer Idee, die eigentlich die Selbstliebe und das Zusammenkommen in der Gruppe feiern sollte.

 

Valentinstag – ist Liebe käuflich?

Der Gegenteil-Tag des Singles Day ist der Valentinstag. In der Tat geht dieser Tag und auch die Assoziierung mit Blumen auf den heiligen Valentin zurück. Die Kommerzialisierung trat, auch wenn Blumen schon zuvor sehr beliebt waren, in Deutschland erst in den 1950ern auf. Durch die hier stationierten Soldaten feierte man 1950 in Nürnberg den ersten Valentinsball. Von da an nahm sich der Süßwaren- und Blumenhandel den Tag als perfekte Marketingstrategie und pflanzte Blumensträuße und Pralinen als ultimativer Liebesbeweis in unsere Köpfe. Die Deutschen lieben am meisten Rosen. Deshalb werden jedes Jahr rund um Valentinstag zusätzliche Flugzeuge geordert, die aus Kenia, Kolumbien und Ecuador 1.500 Tonnen Rosen chartern. Eine Unmenge, wenn du dir überlegst, was eine einzige Rosenknospe wiegt. Erstaunlich: Trotz unserer digitalen Welt ist der Valentinstag jedes Jahr aufs Neue äußerst beliebt.

 

Halloween – warum nur einmal verkleiden im Jahr?

Auch wenn das Rübenschnitzen mit einem ursprünglichen Brauch aus Irland, welcher von Dort aus in die USA kam, verbunden ist, hat Halloween bei uns eigentlich keinerlei Tradition. Wir haben doch Karneval. Oder? Anfang der 90er Jahre wurde aufgrund des Golfkrieges der Karneval abgesagt. Mit massiven, finanziellen Verlusten für die Industrie. Daraus entwickelte sich die »Fachgruppe Karneval im Deutschen Verband der Spielwarenindustrie«, welche sich selbst zuschreibt, Halloween nach Deutschland gebracht zu haben. Frag mal deine Mami oder gar deinen Opa. Da gab es noch kein Halloween! In den USA werden jährlich Milliarden-Beträge für das Ein-Tages-Fest ausgegeben. Und auch hier bei uns steigt der Trend Jahr für Jahr. Die oft aus Polyester hergestellten Kostüme sind Einwegprodukte. Ebenso wie die Dekoration. 50% davon landet nach einem Feier-Tag direkt im Müll. Das Schaurige? Auch bei diesem »Feiertag« unterwandert eine industrielle Interessensgemeinschaft ein Brauchtum, um es für seine Profite zu nutzen.

 

Verlobungsring – Diamonds are forever?

Der Tausch von Trauringen geht zurück bis in die Zeit der Ägypter. Die Menschen nutzen ziemliche Öko-Ringe, denn es handelte sich um in Kreise geflochtene Ringe aus Hanf oder Schilf. Der Kreis, das Unendliche, sollte die ebenso für die Ewigkeit bestimmte Liebe symbolisieren. Am vierten Finger tragen wir die Ringe, weil die Ägypter glaubten, dass hier eine Vene direkt bis zum Herzen floss. Awww, zur Abwechslung ein bisschen Romantik! Ringe wurden in allen Jahrhunderten vergeben – oft jedoch als Zeichen des Reichtums und des Standes, die das zukünftige Ehepaar in der Gesellschaft hielt.

Doch jetzt wird es leider ziemlich unromantisch. In den 30er Jahren stoß die große Minenfirma De Beers in Afrika auf eine unentdeckt große Menge an Edelsteinen und Diamanten. Das verminderte die Exklusivität der funkelnden Steine. Doch keinen Grund zur Traurigkeit: De Beers machte daraus einfach eine geschickte Marketing-Kampagne, die den Verlobungsring mit Diamant(en) als DAS Zeichen für ewige Liebe und Glück platzierte. Binnen drei Jahren stieg der Konsum an Diamanten um 50%. »A diamond is forever« – tja, auch das ist ein schlauer Werbespruch des Minen-Riesen.

Bridal Shower & Baby Shower – wie viel Konsum ist authentisch?

Shower. Eine Dusche. Sinnbildlich steht diese Art der »Partys« für eine Atmosphäre und ein Event, das sich anfühlt wie eine warme, wohlige Dusche. Glückwünsche, Kuchen, Geschenke. Doch auch Formate wie Bridal Shower oder Baby Shower haben in dieser Form keine kulturellen Wurzeln. In den USA werden diese Partys mit bis zu 200 Gästen veranstaltet. Und das, obwohl das Baby noch gar nicht geboren ist oder die eigentliche Hochzeit noch ansteht.

Der Grundgedanke ist schön. Vor großen Ereignissen noch einmal zusammenkommen. Die werdende Mutter feiern. Die bald Verheirateten noch einmal hochleben lassen. Doch in Zeiten von Social Media und Überkonsum geht es längst nicht mehr darum, Omas leckeren Blechkuchen zu vernaschen und gute Gespräche zu führen. Alles muss ein ERLEBNIS sein. Extravaganz. Organisiert, gestellt, gekauft, geshared.

Ich wünsche mir so sehr, dass wir weniger kaufen, weniger verschenken – und mehr sind. Miteinander, füreinander. Um zu lernen, um den Konsum-Staub wegzupusten und uns anzuschauen, wer wir sind. Als Freunde, als werdende Eltern, als Brautpaare, als Singles. Ohne das ganze gestellte und vermarktete Drumherum.

Auf dass du am 29. November definitiv keine Schnäppchen kaufst, mit dieser Liste ein bisschen klugscheißen kannst und das auch auf jeden Fall machst. Dank dir sehr!

 

Fotos: Unsplash
Layout: Nelly Geburtig

 

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