Boho-Look: Kilim-Boots & Hippie-Taschen von Silvia Gattin

Fair Fashion, Slow Fashion, nachhaltige Mode und Boho Fashion von Silvia Gattin
Die österreichische Antwort auf Isabel Marant: Mit ihren Kilim-Boots und bunten Clutches kreiert Designerin Silvia Gattin einen modernen Boho-Look auf den auch Stars wie Poppy Delevigne schwören und haucht traditioneller Handwerkskunst und folkloristischen Stoffen neues Leben ein. Nach einem Studium der Internationalen Betriebswirtschaften in Wien, einem Modedesign und Modemanagement Studium in Mailand sowie zahlreichen Praktika in der Textilbranche, entschloss sich die Österreicherin Silvia Gattin schließlich dazu, ihr eigenes Ding zu machen, statt Großkonzernen zu höheren Umsätzen zu verhelfen. Zum Glück, denn sonst hätten wir auf ihre detailverliebten Accessoires verzichten müssen.

Neben dem verspielten Boho-Gypsy-Hippie-Look liegt der Fokus vor allem auf traditioneller Handwerkskunst, den ausgewählten folkloristischen Stoffen sowie auf eine nachhaltige und faire Produktion. Die farbenfrohen Accessoires entstehen in Kooperationen mit kleinen Handwerksbetrieben, unter anderem in Indien und Marokko. Auf die Weise fördert die Kosmopolitin kleine Manufakturen und rettet vom Aussterben bedrohte Künste. Wie beispielsweise die traditionellen indischen »Kutch«-Stickereien, dessen Wiederbelebung sich die Non-Profit-Organisation Shrujan zur Aufgabe gemacht hat und die heute mehr als 3.000 indische Handwerkerinnen in der Region Kutch beschäftigt. In Kooperation mit dieser gemeinnützigen Stiftung hat Silvia Gattin zuletzt eine kleine, feine Tunika-Kollektion gefertigt.

Die Inspirationen für ihre Entwürfe sammelt die Designerin – klar, wo sonst? – auf Reisen: In Indien, Marokko, Mexiko, Burma, Bali und Thailand. Die fernöstlichen Reiseinflüsse fließen unmittelbar, nämlich in Form folkloristischer Stoffe, traditioneller Verarbeitungsmerkmale und Webtechniken in ihre Entwürfe ein. Die Stiefel, Taschen, Schmuckstücke von Silvia Gattin sind allesamt Unikate und werden mit großer Liebe und Detailversessenheit gefertigt und mit verspielten Details aus Spiegelchen, alten Rupien oder Bommeln in prächtigen, leuchtenden Farben verziert. Die Stücke sind im wahrsten Sinne des Wortes ein Hingucker, so wie die Kilim Bags. Das sind großformatige, schillernd bunte Clutches, die aus alten, marokkanischen Teppichen gefertigt werden.

Zu einem regelrechten Kultobjekt sind die »Abdilla Boots« avanciert – marrokanische Stiefel aus Ziegenleder, deren seitliche Schaftteile aus bunt gemusterten Kelim-Teppichen bestehen und von It-Girls wie Poppy Delevingne spazieren getragen werden. Wie man ihrem Instagram-Post entnehmen kann, schmückt sich das berühmte Model auch mit den kunterbunten, aus indischen Stoffen gefertigten, Hippie-Clutches. Fehlt eigentlich nur eine Kooperation mit Isabel Marant…

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Peppermynta im Interview mit Silvia Gattin

Was war die Initialzündung für deine Label-Gründung?
Ich habe mich schon immer für Stoffe, Mode und Design interessiert und habe während meines trockenen Studiums der Internationalen Betriebswirtschaft meine Praktikas in der Modebranche absolviert (u.a. für Mango, Rena Lange in München, Condè Nast Verlag in Mailand, India in Wien). Nach dem Studium bin ich in Zürich und der Personalberatung gelandet, ein komplett anderes Gebiet, das aber eine harte Schule war und mich sehr viel gelehrt und geprägt hat und anfangs auch sehr viel Spaß gemacht hat. Aber nach einer längeren Periode von einer 60-Stunden-Woche und unfairen, ungerechten und nicht akzeptierbaren Arbeitsbedingungen und Chef-Mitarbeiter-Beziehungen beschloss ich, zu kündigen und bin das erste Mal nach Indien gereist. Dort ist meine Liebe zu Farben und Stoffen wiedergeboren, so auch die Idee (nachdem ich mir ein Kleid aus Sari–Stoffen fertigen haben lasse) einen Online Shop zu gründen und Mode und Accessoires zu entwerfen, weiterzuentwickeln und zu verkaufen. Mit dem Konzept, Mode und Reisen zu verbinden und mit traditionellen Stoffen zu arbeiten.

Wie würdest du dein Label in einem Satz beschreiben?
Außergewöhnliche Einzelstücke, inspiriert von allen Ländern dieser Erde: Silvia Gattin vereint folkloristische Stoffe und Muster sowie Handwerk mit zeitgemäßem Design.

Wie siehst du die Entwicklung von nachhaltiger, fair produzierter Mode?
Ich denke, dass das Bewusstsein von Konsumenten und die Frage, woher die Kleidung stammt, die man trägt, immer größer werden. Daher ist es auch so wichtig, Handarbeit zu fördern und »Made in China« und folglich Massenproduktion inklusive Kinderarbeit und Mindestlöhne zu reduzieren.

Gibt es eine Designerin, einen Unternehmer, den du zum Vorbild hast?
Ich liebe Antik Batik, Christoph Sauvat, Isabel Marant, Etro, Matthew Williamson, etc. Vorbild in puncto Produktion und Materialien sind Vivienne Westwood und Stella McCartney.

Welches (exotische) Land hast du zuletzt bereist? Wo zieht es dich als nächstes hin?
Ich bin regelmäßig in Marokko und Indien, aber das letzte wirklich exotische Land war Burma/Myanmar. Für den nächsten Winter plane ich wieder Thailand beziehungsweise Indien ein, mich zieht es in die Sonne und ich liebe einfach die traditionellen Stoffe und Trachten der Inder und Nordthailänder.

Was haben dich deine vielen Reisen und längeren Auslandsaufenthalte gelehrt?
In Indien lernte ich, dass es viel Schönheit auch in Armut, beziehungsweise in armen Ländern gibt. Mexiko und Burma haben mich gelehrt, dass man nicht viel braucht um glücklich zu sein. Und in Marrakesch musste ich feststellen, dass man sich auch ohne Stadtplan einfach mal fallen und verlieren lassen muss, um die wunderschönsten Ecken einer Stadt zu entdecken.

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Fotos: Poppy Delevingne/Instagram, PR, Shutterstock