Fashion Changers x prePeek – Fair Fashion-Expertinnen im Interview

Fair Fashion: Fashion Changers x prePeek – Fair Fashion-Expertinnen im Interview – Vreni – Nina – Jana

Wir haben mit den Bloggerinnen und Fashion Changers Nina Lorenzen, Jana Braumüller und Vreni Jäckle über die Bedeutung von Influencern, die Notwendigkeit fairer Unternehmenspolitik sowie über die Entwicklung von eco-fairer Mode im Rahmen der Berlin Fashion Week gesprochen.

 

Ihr organisiert jetzt zum dritten Mal ein Get-together von Influencern und Bloggern zur Berlin Fashion Week. Mit welcher Intention habt ihr das Event »Fashion Changers x prePeek« ins Leben gerufen?
Nina: Unser Ziel ist es, Menschen zusammenzubringen, die gemeinsam mit uns die Modeindustrie verändern möchten. Durch unsere eigene Arbeit in der Fair-Fashion-Szene wissen wir, dass nachhaltige Mode den Sprung aus der Nische nur mit einer starken Community schaffen kann. Wir wollen mit unseren Events Lust auf Veränderung machen und einen Raum schaffen, in dem Menschen aus der Modebranche netzwerken, sich austauschen und gemeinsam Projekte planen können. Das Event »Fashion Changers x prePeek« ist der perfekte Ort dafür.

Wie waren die Reaktionen auf euer erstes Event im vergangenen Sommer?
Jana: Absolut positiv. Es sind mehr als 200 Fashion Changers gekommen, was überwältigend und wahnsinnig schön zugleich war. Uns hat dieser Andrang gezeigt, dass die Branche ein starkes Community-Bedürfnis hat und ganz klar den Austausch untereinander wünscht.
Nina: Auch Modelabels, die am Event teilgenommen haben, waren von der Resonanz auf ihre Kollektionen begeistert und dankbar dafür, dass wir sie mit BloggerInnen und Medienschaffenden zusammengebracht haben. Nicht zuletzt haben sie durch das Event auch wertvolles Feedback zu ihren Kollektionen bekommen.
Vreni: Viele unserer Gäste haben uns gesagt, dass das Event eines ihrer Fashion-Week-Highlights war. Wir sind rot angelaufen und haben direkt Pläne fürs nächste Mal geschmiedet, klar!

Der Name Fashion Changers impliziert ja nicht nur Sendungs-, sondern vor allem auch Veränderungsbewusstsein. Was genau würdet ihr am liebsten verändern?
Nina:
Wir wollen vor allem inspirieren und zeigen, wie gut Veränderung aussehen und sich anfühlen kann. Für uns ist eco-faire Mode der einzige zukunftsweisende Weg in der Fashionbranche. Diesen Weg möchten wir gerne zusammen mit Gleichgesinnten gehen, die an einem Strang ziehen. Denn die Fashion-Changers-Bewegung steht ganz klar für Kooperation statt für Konkurrenz.

Was wünscht ihr euch in puncto nachhaltiger Mode im Rahmen der Berlin Fashion Week?
Vreni: Ganz ehrlich? Für mich dürfte es gerne viel mehr knallen! Wenn ich in einer Fair-Fashion-Modenshow sitzen könnte, die sich nach Paris anfühlt – das wär’s. Und ich bin mir sicher, das würde der Szene sehr gut tun.
Jana: Ich denke auch, es wäre super, wenn es mehr knallt. Wenn nachhaltige Labels und MacherInnen mutiger werden und sich mehr (zu)trauen. Faire Mode kann, meiner Meinung nach, nur übers Design im Mainstream Fuß fassen, denn für den/die durchschnittliche/n VerbraucherIn ist der Ökogedanke erstmal sekundär, wenn nicht sogar noch viel weiter hinten bei der Kaufentscheidung angelagert.

Was könnte (und sollte) die Politik tun, um ein faires und verantwortungsvolles Unternehmertum in größerem Stil zu fördern?
Nina: Zunächst sollte nachhaltiges und faires Handeln nicht optional, sondern fester Bestandteil jeder Unternehmenspolitik sein. Wir kennen viele Labels, die das selbstverständlich und aus eigener Kraft tun. Dabei stehen sie vor vielen Herausforderungen, und leider scheitern auch immer wieder Labels an den Marktbedingungen, die oft von großen Labels und Einkäufern diktiert werden. Wir sind dafür, dass diejenigen, die es richtig machen, mehr Unterstützung erfahren. Wir brauchen endlich politische Regularien, die jene Unternehmen abstrafen, die entlang ihrer Zulieferkette ökologische und soziale Standards missachten und trotzdem im großen Stil wirtschaften.
Vreni: Menschenrechte gelten nicht nur innerhalb eines Landes, sondern überall. Doch oftmals werden sie am anderen Ende der Welt schlichtweg missachtet.

Viele Eco Blogger sehen sich regelmäßig mit dem Vorwurf konfrontiert, sie würden sich ja bloß in einer »Bubble« bewegen…
Jana: Natürlich bewegen wir uns in einer Bubble. Wobei man den Vorwurf sicherlich auch konventionellen Bloggern machen könnte. Die Modebranche ist nun mal in erster Linie eine Branche, die auf Oberflächlichkeit fußt und eine Form von Eskapismus bietet. Es ist ein Privileg, sich mit Mode zu beschäftigen. Aber Menschenrechte gehen uns alle an und sollten kein Privileg sein. Deshalb ist es wichtig, dass wir über Mode sprechen und uns auch außerhalb unserer Blase bewegen. Warum kaufen wir immer noch Fast Fashion? Warum ist uns ein Coffee-to-go mehr wert als ein T-Shirt?

Welche Bedeutung haben Influencer für die Verbreitung von ökofairer Mode?
Vreni: Influencer und Blogger geben häufig Kaufempfehlungen – und zwar auf einem persönlichen Level, wie es eine Werbung nicht kann. Shoppen mit einer guten Freundin quasi. Und wenn diese Freundin mir sagt: Hey, check das Hangtag mal genauer, kauf vielleicht ein bisschen weniger und dafür besser, dann bewirkt das was! Außerdem haben Influencer auch eine unterschätzte Macht den großen Modemachern gegenüber. Wenn mehr und mehr reichweitenstarke Blogger sich einen Kodex auferlegen würden, mit dem sie gewisse Unternehmen ihrer Produktionsbedingungen wegen ausschließen, hätte das nach einiger Zeit einen echten Einfluss.

 

Fotos: Emilie Elizabeth, Lydia Hersberger

 

Und hier geht’s zu unserem Shooting Fashion Week 2018 – Unsere Fair Fashion Lieblings-Looks.