Permakultur – die ökologischste Landwirtschaft von morgen?

Cum Natura Permakultur – die ökologischste Landwirtschaft von morgen? Im Einklang mit der Natur, keine Monokultur

Unsere monokulturelle Landwirtschaft steht vor allem für eines: Wirtschaftsinteressen! Massenproduktion und alles andere als im Einklang mit der Natur. Ist Permakultur das Zauberwort? Wir haben uns mit Sabrina Wagner von Cum Natura Permakultur unterhalten. Warum eine holistische Bewirtschaftung unserer Natur die Zukunft ist!

Der Regenwald brennt, ein ganzes Ökosystem geht verloren. Uralte Bäume, Tiere und Pflanzen müssen für  für Sojafelder und Rinderplantagen weichen. »Earth care, People care, Fair share!«, erklärt mir Sabrina. Gerade erst habe ich die Baumpatenschaft für einen Kirschbaum in ihrem Garten übernommen. Sabrina ist Mama von zwei Kindern und will ihnen »Das Paradies auf Erden« schenken, anstatt sie im Müll unserer industriellen Gesellschaft ersticken zu lassen. Doch es gibt Hoffnung, denn seit Jahrzehnten gibt es landwirtschaftliche Alternativen.

Cum Natura Permakultur – die ökologischste Landwirtschaft von morgen? Im Einklang mit der Natur, keine Monokultur: Eier

Cum Natura Permakultur – die ökologischste Landwirtschaft von morgen? Im Einklang mit der Natur, keine Monokultur

Sabrina, was genau ist Permakultur und warum hast du dich entschieden, dich damit auseinanderzusetzen?
Sabrina:
Permakultur ist ein ganzheitliches Gestaltungskonzept, mit dem Ziel naturnahe, sich selbst erhaltende und regulierende Systeme zu schaffen – nach dem Vorbild natürlicher Ökosysteme. Der Begriff Permakultur setzt sich zusammen aus engl. »permanent agriculture«, was nachhaltige, dauerhafte Landwirtschaft bedeutet. Kreislaufwirtschaft, Erneuerbarkeit von Ressourcen und Boden bzw. Humusaufbau sind dafür unter anderem wichtige Schlagworte und Voraussetzung.

Permakultur ist aber viel mehr als Garten oder Selbstversorung. Permakultur ist eine Lebenseinstellung und in jedem Bereich unseres Lebens anwendbar. Für mich war ein Leben im Einklang mit der Natur schon immer wichtig, ich habe schon vor 10 Jahren angefangen mein Leben nachhaltiger zu gestalten und beispielsweise auch unser Gemüse selber anzubauen. Sobald man in diese Welt eintaucht stolpert man auch automatisch über den Begriff Permakultur.

Permakultur im Garten und sogar auf dem Balkon

Kann einfach jede*r mit einem Permakultur bewirtschafteten Garten starten? Wie viel Fläche brauche ich optimalerweise?
Jede*r »kann« die Richtlinien und die Ethik der Permakultur befolgen und damit sein Leben und auch seinen Garten gestalten. Die Richtlinie der Permakultur besagt uter anderem: »Übernimm Verantwortung für dich und die nachfolgenden Generationen. Tu es JETZT!«. Wenn jeder sich die Frage stellen würde »Was kann ich für die Erde tun?« Käme wir automatisch auch auf die Ethik der Permakultur: »Trage Sorge für die Erde. Trage Sorge für die Menschen. Begrenze Konsum und verteile Überschüsse gerecht. Earth care, People care, Fair share«.

Im Garten fange ich demnach an, ihn naturnah zu gestalten. Platz für Nützlinge und Insekten zu schaffen (Steinhaufen, Totholzhaufen, wilde Ecken beispielsweise). Danach kommt die Überlegung wieviel Gemüse möchte ich anbauen, was esse ich gerne, wieviel Zeit kann ich investieren. Demnach kann man das nicht pauschal sagen, wieviel Fläche man benötigt. Das hängt von vielen Faktoren ab. Lieber klein starten um zu sehen wieviel Arbeit in dem Fleckchen steckt und dann vergrößern. Der Lohn ist auf jeden Fall Vielfalt: Insekten, Schmetterlinge, buntes, gesundes Gemüse und einen Mehrwert für das eigene Leben!

Cum Natura Permakultur – die ökologischste Landwirtschaft von morgen? Im Einklang mit der Natur, keine Monokultur: Schmetterling

Cum Natura Permakultur – die ökologischste Landwirtschaft von morgen? Im Einklang mit der Natur, keine Monokultur

Kannst du mir einen typischen Tag beschreiben? Was sind deine Aufgaben im Grünen?
Mein Tag startet meistens mit einer Hunderunde – meine Meditation und meine Stunde, um Kraft zu tanken. Danach werden die Kinder versorgt, ich sammle schon vor dem Frühstück Beeren und Samen im Garten um einen Smoothie zu machen. Die Hühner und Enten werden rausgelassen. Sobald die Kinder unterwegs sind, beginnt meine Hauptarbeitszeit im Garten. Das kann je nach Saison alles Mögliche sein. Als erstes werden immer die Tiere (Hühner, Enten, Katzen, Hund, Würmer) versorgt. Danach die Topfpflanzen gegossen. Im Gemüsegarten gibt es immer etwas zu tun. Beete freilegen, mulchen, gießen, nachsäen, pflanzen, ernten, Kompost versorgen. Ernte verarbeiten. Wiese mähen. Das füllt schon sehr viele Tage aus. Im Frühjahr und Herbst pflanze ich Bäume und Sträucher, Wege werden angelegt, Beete winterfest gemacht etc. Die Nachmittage gehören den Kindern, oft verbinden wir das aber und die Kinder sind mit im Gemüsegarten bzw. spielen selber am Gelände.

Du sagst »Eine andere Welt ist pflanzbar«. Was genau meinst du damit?
Eine bessere Welt ist möglich. Anfangen könnten wir alle damit, Bäume zu pflanzen, die örtliche Nahversorung zu stärken indem man bei der Gemeinde/im Stadtteil vorstellig wird und dort vorschlägt freie Flächen mit essbaren Bäumen zu bepflanzen.

Die Versorgung der Menschen müsste wieder zurück kommen in die Region, so unendlich viele Probleme wären damit vom Tisch. Massentierhaltung, Missstände wie Wassermangel durch Überwirtschaftung wie beispielsweise in Chile (Avocados) wären hinfällig. Das Höfesterben könnte aufgehalten werden. Zurück zu den Wurzeln! Es gibt bereits Betriebe die zeigen, dass es funktioniert.

Cum Natura Permakultur – die ökologischste Landwirtschaft von morgen? Im Einklang mit der Natur, keine Monokultur: Hühner

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Gibt es auch kleine Permakultur-Tipps, die ich zum Beispiel auch auf dem Balkon pflanzen kann?
Um Kreisläufe zu schließen könnte man auf jeden Balkon eine Wurmfarm stellen. Dort können die Gemüseabfälle direkt verwertet werden. Nichts landet in der Tonne und gleichzeitig wird wertvolle Erde produziert. Auf den Balkon kann man ansonsten beinahe alles pflanzen. In Kübeln oder kleinen Hochbeeten, mit Rankgitter oder Hängekörbe alle Ebenen nutzen. Die Balkonkästen mit Wildblumen statt Geranien füllen. Tränken für Bienen und Vögel aufstellen. Vogelfutter und Insektennisthilfen aufstellen. Schon ist ein kleiner Minikreislauf entstanden, die Nützlinge halte die Schädlinge im Zaum und allen geht es gut. Außerdem ist es ein Fest für das Auge und natürlich auch für den Bauch.

Cum Natura Permakultur – die ökologischste Landwirtschaft von morgen? Im Einklang mit der Natur, keine Monokultur: Möhren, Wurzeln

Cum Natura Permakultur – die ökologischste Landwirtschaft von morgen? Im Einklang mit der Natur, keine Monokultur

Permakultur – Im Einklang mit der Natur

Ihr bietet Baumpatenschaften an – wie viele Bäume habt ihr schon gemeinsam gepflanzt?
Bisher haben wir insgesamt knapp 50 Bäume, knapp 100 Beerensträucher und weit über 250 Sträucher (vorwiegend Wildobst) gepflanzt. Die Baumpatenschaften laufen gerade erst an und da werden die ersten Bäume im Herbst gepflanzt.

Siehst du in Permakultur die Zukunft? Wenn ja, warum?
Auf jeden Fall. Wie schon angesprochen, die örtliche Nahversorung, nachhaltiges Wirtschaften und weg von Konsum und Machtgier. Es gibt positive Beispiele, wir müssen nur anfangen sie nachzumachen und daran zu glauben.
Wir als Konsumenten haben so viel Macht, jeder Einkaufszettel entscheidet über unsere Zukunft. Regional und Bio zu kaufen, sollte also für uns alle keine Überlegung sondern eine Überzeugung sein. Prioritäten setzen ist da ganz wichtig. Viele Menschen wollen sich bio nicht leisten, stattdessen aber große Autos fahren. So wird die Zukunft aber nicht aussehen. Beschränke Konsum – das fängt bei jedem einzelnen an. Auch bei mir. Und bei dir!

 

Fotos: PR

 

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