Hafenholz – Smartes Holz-Upcycling

Upcycling mit Hafenholz
Die beiden Hamburger Lasse Bagdahn und Per Völkel machen das, wovon viele träumen – mit ihren Händen nützliche Dinge erschaffen. In ihrer Manufaktur Hafenholz fertigen sie formschöne Möbel – unter anderem aus recyceltem Holz. Ausgangspunkt ihrer Arbeit »war der Wunsch nach der Nutzbarmachung von Holzreststücken, die bei der Aufbereitung von importierten Hölzern im Hamburger Hafen anfallen.« Inspiriert durch diesen Holz-Upcycling-Gedanken entstehen handgefertigte Bilderrahmen mit organischen Formen und naturbelassenen Holzkanten, rustikale Fahrradwandhalter aus alten Eichenbohlen, filigrane Küchentische oder puristische Couchtische aus Funierplatten. Zu den Auftraggebern der 2010 gegründeten Manufaktur Hafenholz zählen unter anderem lokale Shops, Bars und Restaurants. Für die fertigen die beiden Handwerker passgenaue Tische, Regale oder auch mal einen Bartresen aus altem Kirchenholz. Wir haben uns ein wenig in ihrer Werkstatt in Hamburg Ottensen umgeschaut und dem gelernten Tischler Lasse Bagdahn ein paar Fragen gestellt.

Im Zuge meiner Recherche habe ich gelernt, wofür das Element Holz steht: Nämlich »für Spielfreude, Kreativität und Schöpferkraft, Freiheitsdrang und die ungestüme Kindheit des Menschen. Holz will wachsen – und zwar am liebsten dynamisch und ohne Einschränkung – stößt es an seine Grenzen, kann es schon einmal jähzornig oder beleidigt reagieren.« Kannst du das unterschreiben?
Also ich würde es nicht ganz so esoterisch ausdrücken, aber wenn ich beispielsweise eine Bohle aufschneide, und diese sich in alle Himmelsrichtungen biegt, dann sind da auf jeden Fall enorme Kräfte zu spüren…

Peppermynta-Hafenholz-Werkstatt
Welchen beruflichen Background haben Per – dein Kompagnon – und du?
Per und ich haben jeweils eine zweijährige Tischlerlehre gemacht. Danach haben wir beide eine Ausbildung zum Holztechniker gemacht, während der wir uns kennengelernt haben. Im Anschluss an die Ausbildung haben wir beide gemeinsam den Meister gemacht und uns dann 2010 mit Hafenholz selbständig gemacht.

Inwiefern unterscheidet sich ein Tischler von einem Holztechniker?
Der Beruf des Holztechnikers ist zugeschnitten auf die Fertigung von seriellen Produkten für die Industrie und mittelständische Unternehmen. Wir fertigen also sowohl Einzelstücke in Tischler-Manier als auch Fabrikate, die in Serie gehen.

Was war euer allererstes Produkt?
Das waren Bilderrahmen, die wir aus Abfällen eines Holzhandels, der am Hamburger Hafen ansässig war, gefertigt haben. Daraus hat sich dann auch der Name Hafenholz ergeben.

Peppermynta-Hafenholz-Bilderrahmen-Rahmen-Andreas-Klammt
Stand bei eurer Gründung eigentlich der Gedanke der Nachhaltigkeit von Anfang an im Vordergrund?
Ja, mit dem Gedanken der Wiederverwertung von Holzresten hat unser Unternehmen, das sich inzwischen ja auch der seriellen Fertigung von Möbelstücken verschrieben hat, auf jeden Fall angefangen.

Woher bezieht ihr eure ungewöhnlichen Holz-Schätze?
Wir bekommen regelmäßig Anrufe von Leuten, die uns fragen, ob wir Holzreste haben möchten. Und dann kennen wir einen Taucher, der Taucheraufträge für die Stadt Lübeck macht und der beispielsweise Pfähle zieht und uns diese schenkt. Oder aber eine Brücke wird abgebaut und wir bekommen dann den Brückenbelag. Es rufen auch Leute an, die uns erzählen, dass ihr Elternhaus abgerissen wird und dass sie aus den alten Holzdielen gerne einen Tisch gefertigt hätten. Im Gegenzug dürfen wir das restliche Holz verwenden. Das sind also alles höchst unterschiedliche Bezugsquellen.

Peppermynta-Hafenholz-Fahrradhalter
Wenn ihr keine Resthölzer verwendet, inwiefern versucht ihr bei der Fertigung von Möbelstücken den Aspekt der Nachhaltigkeit zu berücksichtigen?
Die Hölzer, die wir für unsere seriell gefertigten Produkte verwenden, stammen aus Europa. Theoretisch muss sämtliches in Europa gehandeltes Holz nachhaltig sein, aber ob das in der Praxis auch wirklich so ist, lässt sich nur schwer sagen. Da wird leider ziemlicher Etikettenschwindel betrieben, wie zum Bespiel im Fall des Holzsiegels FSC, das dem Regenwald leider herzlich wenig genutzt hat. Aber wir versuchen zumindest im Kleinen, die Dinge ein wenig besser zu machen ölen unsere Produkte beispielsweise, statt sie zu lackieren. Und natürlich verwenden wir keine tropischen Hölzer. Es sei denn, es handelt sich dabei um Resthölzer, wie beispielsweise das großartige Mahagoni-Holz, das wir aus der Hamburger St. Katharinen Kirche abgebaut haben, um daraus einen Bartresen zu bauen.

Welches Holz gehört zu deinen absoluten Lieblingshölzern und warum?
Das wechselt eigentlich ständig aber wir haben gerade Eichenholz aus einer über 200 Jahre alten Scheune bekommen und das ist schon etwas ganz Besonders. Ja, ich glaube, das gefällt mir derzeit am besten.

Gehst du überhaupt noch zu Ikea, wenn du doch alles selber bauen kannst?
Leider habe ich nicht immer die Zeit, alles selber zu bauen. Aber ich habe natürlich mehr selbst gebaute Möbel zu Hause, als viele andere und bis auf eine Garderobe ist fast nix mehr von Ikea. Im Sommer haben meine Freundin und ich ein Kind bekommen, für das ich eine Wickelkommode (ein Sideboard mit Wickelaufsatz) gebaut habe, die jetzt in Produktion geht.

Peppermynta-Hafenholz-Sideboard-Rahmen
Gibt es ein Möbelstück, auf das du am meisten stolz bist?
Hmm, ich glaube der Mahagoni-Tresen. Das ist schon nen tolles Teil geworden, vor allem auch, weil er komplett recycelt ist und eine Geschichte erzählt.

Wenn es die Sendung Wetten, dass..? noch geben würde, würdest du die Wette gewinnen, zehn unterschiedliche Hölzer an ihrem Geruch zu erkennen?
Ein paar erkennt man auf jeden Fall sofort an ihrem Geruch, vor allem, wenn sie frisch aufgeschnitten sind. Kiefer zum Beispiel riecht sehr intensiv und Tropenhölzer natürlich auch. Eiche riecht toll, aber da muss man bei der Verarbeitung aufpassen – Eichenholz enthält Gerbsäure, von der man schwarze Finger bekommt. Wegen des hohen Gerbsäureanteils sollte man übrigens niemals Metallgegenstände auf Eichenholz stellen.

Aha, wieder mal was dazu gelernt. Eine letzte Frage: Wie reagieren die Leute, wenn sie eure Werkstatt betreten?
Es gibt zwei Sätze, von denen mindestens einer mit Sicherheit fällt: Oh, das riecht aber schön nach Holz hier. Oder: Ich wollte schon immer mal was mit Holz machen.

Wir verraten an dieser Stelle nicht, ob uns einer dieser Sätze beim Betreten der Manufaktur entschlüpft ist…

 

Die formschönen Hafenholz-Produkte kann man bei Lokaldesign, Salon Wechsel Dich sowie Sproesslingedesign beziehen.

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