SILO – das erste Zero Waste Restaurant Englands

Eco Lifestyle und ökologisch leben: SILO – das erste Zero Waste Restaurant Englands

Silo ist weit mehr als nur ein Restaurant. Es handelt sich dabei um das erste Zero Waste Restaurant Englands sowie einen Ort, der Kochen zur Kunst erhebt, Lebensmitteln endlich wieder den nötigen Respekt zollt und dessen Philosophie einen an die Redewendung »What goes around comes around« denken lässt. 

Denn mit seinem in der englischen Küstenstadt Brighton gelegenem Restaurant verfolgt Restaurantbegründer Douglas McMaster ein ganz einfaches Prinzip – er adaptiert natürliche Kreislaufsysteme. Systeme, die seit Jahrhunderten und Jahrtausenden Gültigkeit haben, die wir im Zuge der Industrialisierung und Technisierung in den vergangenen Jahrzehnten jedoch arg vernachlässigt und – in arroganter & kurzsichtiger Weise – sogar als überholt betrachtet haben. In Zeiten, in denen uns die Lebensmittelindustrie wahnwitzigste Fertiggerichte serviert, vertraut McMaster lieber einem »vorindustriellen Lebensmittelsystem«, wie er es selbst nennt.

 

Peppermynta-Eco-Lifestyle-Silo-Restaurant-Zero-Waste_5

Peppermynta-Eco-Lifestyle-Silo-Restaurant-Zero-Waste_8

Peppermynta-Eco-Lifestyle-Silo-Restaurant-Zero-Waste_4

Spätestens seit den bekannten Zero Waste Ikonen Lauren Singer und Bea Johnson haftet dem Müllvermeidungs-Gedanken nichts Nerdiges mehr an, sondern – im Gegenteil – seitdem hat sich das Zero Waste Prinzip zu einer nachahmenswerten Bewegung etabliert, die weltweit immer mehr Anhänger findet. Der Gedanke dahinter ist so einfach wie einleuchtend: Wer sich ein bisschen informiert und Mühe gibt, kann seinen eigenen Müllverbrauch von heute auf morgen drastisch reduzieren. Und das, ohne zu verzichten, sondern mit dem Nebeneffekt einer bewussteren (und gesünderen) Ernährung.

Peppermynta-Eco-Lifestyle-Silo-Restaurant-Zero-Waste_12

Peppermynta-Eco-Lifestyle-Silo-Restaurant-Zero-Waste_9

Der Ursprung von Silo liegt im australischen Melbourne – dort schlug das ebenso visionäre wie konsequente Restaurant-Konzept des Sternekochs Douglas McMaster ein wie eine Bombe. McMaster hatte zuvor 12 Jahre lang in internationalen Michelin-Küchen, unter anderem im St. John in London gearbeitet und während seiner Laufbahn als Koch groteske Lebensmittelverschwendung mit ansehen müssen. Bis er schließlich im Greenhouse auf den niederländischen Künstler Joost Bakker stieß, der bereits in der fünften Generation Eigenanbau betreibt und aufs intensivste mit der Natur verbunden ist. Gemeinsam mit ihm entwickelte er das SILO-Konzept. Die Idee: Essen wie vor 100 Jahren zu produzieren, anzubauen und zu respektieren. Aus familiären Gründen verschlug es McMaster schließlich zurück in seine Heimat Brighton, wo er in unmittelbarer Nähe der Brighton University zufällig auf eine leerstehende Lagerhalle stieß. Der perfekte Ort für ein Restaurant…

SILO ist Selbstversorgungsstätte, Versuchslabor, Bauernhof und Restaurant in einem

Mit »Old Tree« betreibt das Restaurant eine eigene Brauerei, in der die fermentierte Getränke aus Pflanzen, Kräutern, Obst und Gemüse hergestellt werden. Auf einer Mühle wird das eigene Mehl gemahlen. McMaster und sein Team produzieren ihre eigene Butter, Joghurt, Mandelmilch, Haselnuss- oder Hanfmilch und fermentieren hauseigenen Essig. Sie produzieren Schokolade von der Bohne bis zur Tafel, züchten ihre eigenen Schafe, bauen Obst und Gemüse in einem auf dem Restaurantgelände gelegenen Gewächshaus an. Sie verkaufen selbstgemachte Seife, die aus Fett, Lauge und aus ätherischen Ölen hergestellt wird.

Peppermynta-Eco-Lifestyle-Silo-Restaurant-Zero-Waste_11

Peppermynta-Eco-Lifestyle-Silo-Restaurant-Zero-Waste_13

Peppermynta-Eco-Lifestyle-Silo-Restaurant-Zero-Waste_14

Der Kompostierer hat einen eigenen Namen – Bertha ist das Herzstück von SILO

Zudem verfolgt SILO das so genannte Nose to Tail-Ideologie, was bedeutet, dass von einem Tier so viel wie möglich verarbeitet wird. Außerdem arbeitet das Restaurant direkt mit den Erzeugern zusammen, verzichtet also komplett auf Zwischenhändler und verwendet ausschließlich streng saisonale Produkte. Das bedeutet: Ein kompletter Verzicht auf Plastikverpackungen. Das Herzstück des Restaurants jedoch ganz eindeutig »Bertha« – ein 28.000 Euro teures, sauerstofffreies Kompostiergerät. Der Kompostierer stammt von der Recyclingfirma Closed Loop und der über Nacht bis zu 60kg Kompost produzieren kann. Überschüssiger Kompost wird verschenkt, damit der Recycling-Gedanke bei so vielen Leuten wie möglich gefördert wird. Aus diesem Grund hält das Restaurant auch regelmäßige Workshops ab, in denen auch Schulklassen das Prinzip des respektvollen Umgangs mit Lebensmitteln näher gebracht wird.

Peppermynta-Eco-Lifestyle-Silo-Restaurant-Zero-Waste_7

Peppermynta-Eco-Lifestyle-Silo-Restaurant-Zero-Waste_6

Peppermynta-Eco-Lifestyle-Silo-Restaurant-Zero-Waste_10

Der Kreislaufgedanke findet sich überdies in der Einrichtung wieder – diese besteht ausschließlich aus Upcycling- und Recycling-Möbeln. So wurden die Teller aus gebrauchten Plastiktüten gefertigt, die Tische sind aus alten Industriebohlen gezimmert und statt in Gläsern werden die Getränke in robusten Marmeladengläsern serviert (zumindest letztere Idee hat sich ja inzwischen weltweit durchgesetzt. Während die Gläser jedoch anderswo ungewöhnlich und kreativ anmuten sollen, steht bei SILO der ganzheitliche Wiederverwertungsgedanke im Vordergrund). Beschränkung macht erfinderisch: Im vergangenen Jahr rief SILO via Facebook zu einer Jeans- und Nylon-Spendenaktion auf, um daraus recycelte Kissen für ihr Restaurant zu fertigen. Im Austausch gab’s Kaffee for free.

Peppermynta-Eco-Lifestyle-Silo-Restaurant-Zero-Waste_3

Peppermynta-Eco-Lifestyle-Silo-Restaurant-Zero-Waste_2

McMaster überlässt der Natur die Entscheidung, was gekocht wird

Die Philosophie von SILO? Die Natur und ihre Zutaten zu respektieren. McMaster überlässt der Natur die Entscheidung, was gekocht wird. Nur was auf natürliche Weise zur Verfügung steht, kommt auf den Teller. Und weil ein bisschen Ironie nie schadet, tragen McMaster und seine Mitarbeiter T-Shirts, auf deren Rücken geschrieben steht: »Vorsicht, diese Lokal serviert Rohmilchprodukte. Verzehr auf eigene Gefahr.«

 

Wer das Zero Waste-Prinzip in sein Leben integrieren möchte, findet auf den folgenden Blogs spannende Selbsterfahrungsberichte:

Maddie vom extrem erfolgreichen österreichischen Eco Blog dariadaria geht mit gutem Beispiel voran und hat ihr Leben nach einem Workshop und einem Gespräch mit Shia vom Blog Wasteland Rebel komplett umgekrempelt und ihren Müllverbrauch drastisch reduziert.

Mia von heylilahey hat ein spannendes und sehr aufschlussreiches Interview mit Zero Waste Bloggerin Lauren Singer geführt und präsentiert uns eine praktische Zero Waste-Gebrauchsanweisung.

Und auch Christina vom happymindmagazine schwört auf ein entschleunigtes, achtsames und möglichst ballastfreies Leben – auf ihrem Blog verrät die frischgebackene Yogamama unter anderem persönliche Zero-Waste-Beauty-Tipps.

Fotos: PR

Und hier findet ihr herrlich leckere Soulfood-Rezepte von Jelena.