#fairbylaw – Interview mit Renate Künast zur unternehmerischen Sorgfaltspflicht 

Verantwortung tragen! Das tun nicht nur wir Verbraucher*innen, sondern das sollten vor allem Unternehmen tun, die nach wie vor Mode unter menschen- und umweltschädlichen Bedingungen produzieren. Folkdays Gründerin Lisa Jaspers ist Initiatorin der bundesweiten Petition für eine unternehmerische Sorgfaltspflicht, die sich unter dem Hashtag #fairbylaw mit vielen Meinungsführer*innen dafür einsetzt. Unter anderem auch die Grünen-Abgeordneten Renate Künast. Wir haben sie zum Interview getroffen. 

2013 fanden über 1.100 Menschen bei einem schrecklichen Unglück den Tod in der Fabrik Rana Plaza in Bangladesch. Mehr als 2.000 Menschen wurden verletzt. Auch heute arbeiten weiterhin viele Frauen und Männer unter derartig unwürdigen Arbeitsverhältnissen, um die neusten Fast Fashion Kollektionen für Einzelhandelsketten wie Mango oder C&A herzustellen, die wir dann hier auf den Glamour-Meilen unserer Städte kaufen sollen.Doch diese Industrie ist alles andere als Glamour. Sie beruht auf Ausbeutung und dem Fakt, dass Unternehmen, die ihre Ware derart produzieren, nicht zur Verantwortung gezogen werden. Das soll sich ändern. Per Gesetz! Bitte nimm dir unbedingt Zeit, die Petition zu unterstützen. Das hat einen großen Impact und kostet dich keine zwei Minuten.

#fairbylaw – Interview mit Renate Künast zur unternehmerischen Sorgfaltspflicht 

#fairbylaw – Interview mit Renate Künast zur unternehmerischen Sorgfaltspflicht 

#fairbylaw – Interview mit Renate Künast zur unternehmerischen Sorgfaltspflicht 

#fairbylaw – Interview mit Renate Künast zur unternehmerischen Sorgfaltspflicht 

Ein bekanntes Gesicht und Unterstützerin mit Herz von #fairbylaw ist die Grünen-Abgeordnete Renate Künast, die wir vor einigen Tagen beim Fair Fashion Day im Haus 73 in Hamburg getroffen haben. Sie erzählt uns heute, warum sie die Initiative #fairbylaw unterstützt und warum dieses Gesetzt so wichtig ist.

Renate, du beschäftigst dich mit Fair Fashion und wir haben dich schon oft auf der Berliner Neonyt Messe gesehen. Warum bist du Unterstützerin der Petition #fairbylaw?
Weil ich finde, dass Textilunternehmen nicht nur auf ihre Rendite achten sollten, sondern für ihre globale Liefer- und Produktionskette auch die Verantwortung übernehmen müssen. Verantwortung dafür, dass bei der Produktion Sorgfaltspflichten, also die vereinbarten Menschen- und Arbeitnehmerrechte, eingehalten werden.

Warum ist es wichtig, dass die unternehmerische Sorgfaltspflicht gesetzlich geregelt wird und nicht auf unternehmerischer Freiwilligkeit beruht?
Die Zeit Freiwilligkeit ist vorbei, denn sie war erfolglos. Beispiel Textilbündnis: Die derzeitigen Versuche von Bundesminister Müller sein Textilbündnis durch Androhung eines nationalen Gesetzes doch noch zu einer Erfolgsstory zu machen, zeigen doch , dass Freiwilligkeit der Unternehmen allein nicht ausreicht, um globale Lieferketten fair und sicher zu machen.

#fairbylaw – Interview mit Renate Künast zur unternehmerischen Sorgfaltspflicht 

#fairbylaw – Interview mit Renate Künast zur unternehmerischen Sorgfaltspflicht 

In Frankreich wurde ein ähnliches Gesetz vor Kurzem beschlossen. Wie kann überhaupt überprüft werden, ob sich Unternehmen an die Regelung halten? Müsste dafür nicht unfassbar viel Person im Einsatz sein?
Das geht bestimmt nicht von heute auf morgen. Aber wir leben im Zeitalter der Digitalisierung, wo Daten und Informationen auf schnellen und einfachen Wegen ausgetauscht werden können, wenn man nun die Pflicht hat, eine entsprechende Software zu entwickeln. Es gibt schon erste Ansätze. Wichtigste Voraussetzung ist dabei die Transparenz. Nur wenn eine Wertschöpfungskette transparent ist, kann die Einhaltung von Menschen-, Umwelt- und Verbraucherrechten überprüft und eingefordert werden.

Was würde sich alles durch die Umsetzung des Gesetzes verbessern?
Ich denke die Gesundheits- und Arbeitsbedingungen für die Menschen in der Produktion würden sich verbessern. Dazu gehören anständige Löhne ebenso wie sichere Fabriken, damit Unglücke wie das in Rana Plaza endlich der Vergangenheit angehören. Und aus Sicht der Konsumenten gilt, dass wir sehen können, wie das was uns schöner macht eigentlich produziert wurde. Es wäre quasi der Hinweis und die Transparenz auf die wahren Kosten.

#fairbylaw – Interview mit Renate Künast zur unternehmerischen Sorgfaltspflicht 

Was wünschst du dir über diese Petition hinaus für die nächsten Jahre in Sachen fairer Mode? Was steht auf der Agenda der Grünen und woran arbeitet ihr?
Ich möchte, dass faire und ökologische Mode noch populärer wird und immer mehr Menschen sie kaufen. Dazu muss sie auch rechtlich eingefordert werden. Ich möchte, dass faire Mode leicht zu erkennen und fast überall zu erwerben ist. Wir Grünen setzen uns für ein EU-weites Gesetz ein. Es muss europäische Textilunternehmen verpflichten, ihre Wertschöpfungskette transparent zu machen und nachzuweisen, dass bei der Herstellung soziale und ökologische Standards eingehalten werden, von der Baumwolle bis zum Reißverschluss. Einen entsprechenden Antrag haben wir gerade in den Bundestag eingebracht.


Verrätst du uns dein aktuelles liebstes Fair Fashion Teil?
Ein mit Pflanzenfarbe gefärbter Seidenschal ist das Erste, was mir einfällt.

 

Vielen lieben Dank Renate – für deine Zeit und deinen großartigen Einsatz für die faire Modewelt!

 

Fotos: Henning Angerer

 

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