Kokoworld – Kunsthandwerk aus aller Welt vereint in fairer Mode

Kokoworld – Kunsthandwerk aus aller Welt vereint in fairer Mode-Peppermynta-Peppermint-Fair-Fashion-Kokoworld-Interview-Agata-Kurek

Agata Kurek gründete vor einigen Jahren ihr Label Kokoworld, mit dem Anspruch durch Kunsthandwerk aus aller Welt die Modewelt nachhaltig zu formen. Sie hat uns mit in ihre Welt genommen und verrät uns im gemeinsamen Interview, wie sie vernetzte und faire Mode neu denkt.  

Globalisierung. Da schaudert es manchen von uns gehörig. Das klingt nach Global Playern, Jet Set und Erdbeeren im Winter. Die Globalisierung bedeutet aber auch, dass wir grenzenloser werden, uns schneller informieren können und über Länder hinweg miteinander verbunden sind.

Kokoworld – wenn faire Kleidung verbindet 

Für Agata ist die Welt kein Dorf. Aber eine global inspirierte Spielwiese. Als sie ihren Job bei einem renommierten Unternehmen kündigte, schnappte sie sich ihre Tochter und ihren Rucksack und reiste los. Sie verliebte sich in unterschiedliche Kunsthandwerks-Talente und Traditionen aus aller Welt und verstand: »Das will ich zusammenbringen!« Nach vielen Abenteuern rund um den gesamten Globus kehrte sie in ihr Heimatland Polen zurück und verwirklichte ihren Traum, mit Kunsthandwerkern und lokalen Unternehmen aus Afrika, Südamerika, Südostasien und Polen nachhaltige Mode zu kreieren. Kokoworld war geboren. So fertigt heute Eduardo aus Kolumbien für Kokoworld Schmuck auf traditionelle kolumbianische Weise. Kis Herry aus Indonesien stellt in seinem kleinen Atelier traditionelle Stoffe her, die per Hand bestempelt werden. Maruna ist Schneiderin und näht in Krakau aus den wunderschönen Stoffen Hüfttaschen. Und Mircia von den kapverdischen Inseln verzaubert Kokoworld mit ihren handgefertigten Accessoires.

 

Pure Linien treffen auf verspielte Ethno-Wildheit 

Alles ist möglich. Und der fairste Weg, Menschen zu helfen, ist, sie zur Selbständigkeit zu animieren und ihnen einen sicheren Arbeitsplatz zu bieten. Bei Kokoworld treffen zum Beispiel Tuniken aus polnischer Baumwolle auf bunte Batik-Einsätzen aus Indonesien oder Westafrika. Dabei kennt Kokoworld alle Kunsthandwerker persönlich. Die Mode ist aufregend puristisch, kleidet uns mit raffinierten Schnitten und viel Liebe zum Detail. Slow Fashion, die auffällt ohne sich aufzudrängen. Neben Mode für Frauen, begeistert Kokoworld mit aufwendigen Accessoires und wirklich schöner Kinderkleidung. Wir wollten den kreativen Kopf hinter Kokoworld besser kennenlernen und haben und deshalb zum gemeinsamen Gespräch mit Agata verabredet.

 

 

Pep Talks – Kokoworld

Liebe Agata, du bist nach Mali in Afrika gereist und kamst mit einer neuen Geschäftsidee wieder: Was und wer hat dich so inspiriert?
Ziel dieser Reise, die mein ganzes Leben verändern sollte, war eigentlich »nur« ein Musikfestival. Als ich in der Wüste saß, umgeben von tollen Leuten und guter Musik, habe ich begonnen, nachzudenken, was wirklich wichtig für mich ist und wie mein Leben aussehen soll. Eine große Inspiration war für mich bestimmt auch meine Tochter, die bei der ersten Reise noch so klein war.

Und wie ging es dann weiter?
Ich habe spontan ein paar Meter bunte Stoffe von lokalen Handwerkern in Mali eingekauft und in meinen Rucksack gepackt. Zu Hause habe ich zuerst meinen Job im Großunternehmen aufgegeben und dann habe ich angefangen, Kleider aus diesen Stoffen zu fertigen. Ich hatte keine große Erfahrung, früher habe ich nur einfache Sachen für mich selbst und für Freunde genäht. Aber: Nach sechs Wochen habe ich meinen ersten Laden geöffnet. Mein Traum war groß und sehr schnell Wirklichkeit!

Kokoworld verbindet Kunsthandwerker und Schneider aus der ganzen Welt. Wie ist es möglich, so »global« zu arbeiten?
Unsere Zusammenarbeit mit unseren Kunsthanderwerker*innen basiert immer auf einem persönlichen Kontakt, das ist mir ganz besonders wichtig. Ich habe jede und jeden von ihnen während meiner Reisen getroffen, kennengelernt und gesehen, wie und in welchen Bedingungen sie arbeiten und produzieren. Natürlich nutzen wir auch moderne Technologien – so kann uns z.B. unser Kunsthandwerker aus Indonesien, Kis Herry, Bilder von Stoffen aus seiner Werkstatt via E-Mail zukommen lassen und wir können die Muster in Echtzeit besprechen. Vor ein paar Jahren wäre das unvorstellbar gewesen!

 

Gibt es auch Schwierigkeiten, die euch begegnen?
Ab und zu haben wir »Probleme« in der Kommunikation, wegen der vorhandenen Sprachbarrieren. Manchmal nutzen wir Zeichensprache – oder einfach ein Lächeln. Meine Tochter kann heute immer noch bis Zehn auf bahasa indonesia sprechen, obwohl unsere Reise nach Indonesien bereits zwei Jahre her ist.

Wie beschreibst du euren Stil?
Ich beschreibe unseren Stil ganz einfach als »authentisch« – denn alle Akzente, bunte Stoffe oder Schmuck sind authentisch und wurde von lokalen Handwerkern gefertigt, die dieselbe Leidenschaft wie wir in sich tragen.

Was wünschst du dir für den Modemarkt in den nächsten fünf Jahren?
Wir können deutlich sehen, wie verschieden die Märkte und das Bewusstsein der Konsumenten in Polen und Deutschland sind. Ich wünsche mir vor allem, dass sich in Polen das Bewusstsein weiterentwickelt. Dass Konsumenten kritischer fragen und offener mit Brands in den Dialog gehen und einfordern, mehr über die Herkunft der Materialien und Arbeitsbedingungen zu erfahren. Denn nur dann ist es möglich, dass die Textilhersteller und in Folge auch große Brands ihre Augen öffnen und für mehr Transparenz sorgen.

 

Wo darf die Reise also hingehen?
Es gibt tolle, recycelte Stoffe aus Plastikabfall aus Meeren, die wir aus Spanien erwerben, jedoch kennt sie in Polen noch fast niemand. Solche tollen und umweltfreundlichen Stoffe wie Tencel oder Stoffe aus recycelten Plastikflaschen sind auch weniger bekannt. Hier wünsche ich mir, dass solche Stoffe nicht nur bekannter, sondern auch flächendeckender genutzt werden. Außerdem brauchen wir mehr Initiativen wie die Fashion Revolution Week.

Für welche sozialen Projekte engagiert ihr euch?
Soziale Projekte sind seit unserem Start ein fester Bestandteil unserer Philosophie. Eigentlich ist unser gesamtes Kunsthandwerker*innen-Netz ein soziales Projekt. Durch eigens initiierte Film- und Fotoprojekte klären wir außerdem über die Themen »Fair Trade« und »Nachhaltigkeit« auf. Und uns ist es super wichtig, dass wir immer die Menschen hinter unseren Produkten zeigen – damit unsere Kunden*innen wirklich verstehen, wie ausgewählt und fair wir alle miteinander arbeiten. Gerade starten wir außerdem mit einer Genossenschaft in die Zusammenarbeit mit Menschen aus Slums in Nairobi, Kenia.

Ich habe über eure Aktion »Jeans for a Better World« gelesen. Was genau habt ihr dabei gemacht?
Letztes Jahr haben wir die Aktion »Jeans for a Better World« durchgeführt, bei der wir für einen guten Zweck mehr als 300 Paar alte Jeans recyceltet und neue Produkte daraus kreiert haben. Mit dem Erlös haben wir Kindern in Uganda die Schulausbildung finanziert.

 

Dieser Beitrag ist in Kooperation mit Kokoworld entstanden. Wir danken euch für euer Vertrauen und die bunte Inspiration, die ihr seid!

Fotos: PR

 

Und hier geht es zu einem weiteren tollen Fair Fashion Label mit Social Impact: Made with passion – Handbestickte Taschen von Abury