Second Hand Mode – Wie nachhaltig ist gebrauchte Kleidung?

Second Hand Mode – Wie nachhaltig ist gebrauchte Kleidung? Second Hand Online Shop


Ich liebe Second Hand Mode – aber ist das wirklich immer die nachhaltigste Alternative? Dass Ressourcen eingespart werden, ist eines der wichtigsten Argumente, welches für gebrauchte Kleidung spricht. Aber woher kommen die Kleidungsstücke eigentlich, die online als Schnäppchen angeboten werden?

 Plus: Unsere liebsten Second Hand Online Shops.

Second Hand Kleidung wird immer beliebter – und auch wir freuen uns, auf Flohmärkten oder online nach gebrauchten Schätzen zu suchen. Die Möglichkeiten, gebrauchte Kleidung zu kaufen, hat in den letzten Jahren enorm zugenommen – Plattformen wie Vinted (ehemals Kleiderkreisel), Mädchenflohmarkt oder Ubup erfreuen sich großer Beliebtheit – doch wenn man sich etwas genauer mit dem Trend Second Hand beschäftigt, wird recht schnell klar, dass man als Konsument:in ganz genau hinschauen muss.

»Second Hand Mode ist das Nachhaltigste was man machen kann« – warum diese Aussage nicht immer stimmt

Dass Second Hand Mode eine nachhaltigere Alternative zum Neukauf ist, streitet vermutlich niemand ab. Denn die Second Hand Kleidung befindet sich bereits im Kreislauf und wenn ich etwas Gebrauchtes kaufe, werden keine neuen Ressourcen für die Herstellung benötigt.
Für ein konventionelles T-Shirt aus Baumwolle werden beispielsweise ca. 2000 Liter Wasser benötigt. Für die Produktion einer Jeans fallen ca. 10.000 Liter Wasser an. All das kann man einsparen, wenn man statt eines neu produzierten Teils ein gebrauchtes Kleidungsstück kauft. Klingt erst mal total nachhaltig, oder?

Ja, aber…

Dass beim Kauf gebrauchter Kleidung Ressourcen eingespart werden, ist einer der größten und wichtigsten Punkte, wenn es um die Frage geht, wie nachhaltig der Second Hand-Kauf ist. Aber es gibt noch weitere Punkte, auf die man eingehen muss:

Aus welchen Materialien sind sie?
Wo kaufe ich die Sachen?
Woher kommt die Kleidung?

Denn eine Sache, die ich in den letzten Jahren gelernt habe, ist: Second Hand ist nicht gleich Second Hand. Es macht einen großen Unterschied, wo man die Sachen kauft, denn: auch diese Kleidung kommt ja von irgendwo her und ist nicht mit einem Fingerschnippen im Kleiderschrank einer Vinted-Verkäuferin oder auf den Kleiderstangen eines Second Hand-Ladens gelandet.

Die Sache mit dem Material

Widmen wir uns zu allererst diesem Punkt – dem Material. Vieles, was z.B. in einem Second Hand Online Shop zum Verkauf angeboten wird, sind Kleidungsstücke von Fast Fashion Brands. Eines der am häufigsten verwendeten Materialien dieser Brands ist Polyester – entsprechend groß ist die Auswahl auf den Second Hand-Plattformen. Hier haben wir damit verbunden das Mikroplastik Problem: Beim Waschen von Polyester Kleidung lösen sich kleinste Fasern, die am Ende in den Flüssen und Meeren landen. Hier könnt ihr noch mehr dazu lesen. Deshalb versuchen wir Polyester zu vermeiden und schauen nach natürlichen Materialien wie Biobaumwolle, Leinen oder Hanf.

Wo kaufe ich Second Hand Kleidung ein?

Wenn man sich den Markt mit gebrauchter Kleidung anschaut, wird recht schnell klar, dass er sich in den letzten Jahren gewandelt hat. Neben kleinen lokalen Second Hand Läden in den Innenstädten gibt es mittlerweile auch eine große Anzahl an Second Hand Shop-Ketten – teilweise riesige, mehrstöckige Filialen, die ein nahezu unüberschaubares Angebot an gebrauchter Kleidung anbieten. Das Klischee der letzten Jahre, dass gebrauchte Kleidung unmodern ist, scheint passé zu sein. Da muss man sich natürlich die Frage stellen: woher kommen diese Massen an Kleidung? Ankäufe von Privatpersonen, wie es meist in kleineren Boutiquen gemacht wird, finden in solchen Geschäften in der Regel nicht statt.
Wir haben auf den Homepages einiger dieser großen Second Hand -Ketten gesucht, ob man dort Infos findet, wie die Kleidung in die Geschäfte kommt. Man bekommt wenig bis gar keine Infos dazu. In Interviews und Zeitungsartikeln findet man teilweise schwammige Formulierungen.
Eine Sache, auf die ich recht schnell gestoßen bin: das Aufstellen von Kleidercontainern. Dort kann jeder aussortierte Kleidung einwerfen – ob erkennbar ist, dass diese am Ende in großen Geschäften verkauft und nicht gespendet wird, kann ich jedoch nicht sagen.

Das Problem mit den Containern

In großen Städten gehören sie zum Stadtbild dazu: Kleidercontainer. Teilweise völlig am überquillen. Was passiert jedoch mit den Sachen, die dort eingeworfen, aber von dem Unternehmen aussortiert werden? Die beispielsweise nicht ins Sortiment passen? Sie werden exportiert. Zu einem großen Teil nach Afrika, wo unsere gebrauchte Kleidung die lokale Wirtschaft stark beeinflusst: was wir gedankenlos in die Altkleidercontainer werfen, ist ein großes Problem für den lokalen Markt, da die Nachfrage nach lokalen Produkten dort immer weiter zurück geht. Hier findet ihr einen sehr spannenden Artikel dazu. Die Vorstellung, dass mit unserer aussortierten Kleidung etwas Gutes getan wird, entspricht einfach nicht ganz der Realität.

Wenn gebrauchte Mode zur Massenware wird

Ein weiterer Punkt ist die Entwicklung, die der Verkauf und Kauf gebrauchter Kleidung in den letzten Jahren genommen hat. Denn eines fällt sehr schnell auf: gebrauchte Kleidung ist zur Massenware geworden. Egal, ob in den großen Second Hand Ketten oder auch in den Second Hand Online Shops, wo Privatverkäufer ihre Kleidung anbieten.

Teilweise werden auf diesen Plattformen völlig ungenutzte Kleidungsstücke verkauft – Neu mit Etikett – und das in riesigen Mengen. Das sind dann in der Regel leider keine fair produzierten Kleidungsstücke – sondern Fast Fashion Massenware. Wie nachhaltig ist es, sie auf diesem Weg zu kaufen? Natürlich hat man dann nicht durch einen direkten Kauf diese Geschäfte unterstützt – aber wer kann mir schon sagen, was die Verkäuferin mit dem erhaltenen Geld macht? Investiert sie es am Ende wieder in neue Fast Fashion Teile?

Man kann sich auf diesen Second Hand Plattformen regelrecht verlieren – denn bei irgendwem wird das gesuchte Stück dann noch günstiger angeboten. Und am Ende landen diese Schnäppchen dann doch im virtuellen Einkaufskorb, nach dem Motto: kostet ja nicht so viel, da kann man das mal ausprobieren. Ist das nachhaltig einkaufen?

Was verändert sich durch den Kauf gebrauchter Kleidung?

Ja, wenn man gebrauchte Kleidung kauft, spart man zunächst Ressourcen – das steht völlig außer Frage. Doch zu den vorangegangenen Fragen muss noch eine weitere hinzugefügt werden: Was kaufe ich ein?

Wenn man, statt selbst bei H&M einzukaufen, den eigenen Kleiderschrank mit gebraucht-neuwertigen H&M Kleidungsstücken füllt – sind das dann nachhaltige Käufe? Ändert das am Ende etwas am Fast Fashion System von immer mehr, immer billigerer Kleidung?

Leider ist die Antwort nein. Und genau wie bei so vielen anderen Sachen kann man nicht pauschal sagen »Secondhand ist nachhaltig«– es kommt auf die Details an. Denn wenn so viele, teilweise ungetragenen Fast Fashion Teile auf Plattformen wie z.B. Vinted (ehemals Kleiderkreisel) zu kaufen sind – bedeutet das eben auch, dass in diesen Geschäften weiterhin fleißig eingekauft wird. Natürlich ist es immer noch besser, ein gebrauchtes Fast Fashion Teil zu kaufen, als ein Neues – auch das steht völlig außer Frage. Aber auch hier kann man sich vor dem Kauf die Frage stellen: kaufe ich das jetzt nur, weil es gerade günstig ist? Oder suche ich genau dieses Teil wirklich schon lange?

Man kann sich nicht grün konsumieren – auch nicht Second Hand Kleidung

Denn wenn genauso weiter konsumiert wird, wie bisher – nur einfach Second Hand, verändert das leider überhaupt nichts. Gerade, wenn etwas günstig ist, wird man schneller dazu verleitet, es zu kaufen – ob man es nun wirklich braucht, oder nicht. Spontan- und Fehlkäufe sind die Folge – also am Ende wieder Sachen, die wir eigentlich gar nicht brauchen und wieder loswerden wollen und dann selbst wieder auf den bekannten Plattformen zum Verkauf anbieten.

Auch beim Second Hand-Einkauf müssen wir anfangen, genauer hinzuschauen – egal, ob im Geschäft oder online.
Denn die Schlagwörter »nachhaltig« und »gut für die Umwelt« sind mittlerweile überall vertreten – und es lohnt sich, einmal genauer zu schauen, was man jeweils zu diesem Thema erfährt.

Ein paar Tipps für den nächsten Second Hand Kauf

Egal, ob ihr bei Vinted (ehemals Kleiderkreisel), RebelleSellpy oder bei einer großen Second Hand Kette einkauft – kauft bewusst ein. Schaut euch genau an, aus welchem Material die Sachen und von welcher Marke sie sind. Fragt im Geschäft nach, woher die Kleidung bezogen wird – hier ist Transparenz ein ganz großes Stichwort.
Vintage kann eine deutlich nachhaltigere Option sein – wenn man auch hier nicht blind konsumiert, sondern sich mit Bedacht für langlebige Kleidungsstücke entscheidet.
Natürlich soll niemandem das Second Hand-Shopping madig gemacht werden – im Gegenteil! Aber gerade auf Grund dieses Trends ist es wichtig, einfach mal etwas genauer hinzuschauen und ein paar Fragen zu stellen. Denn das Schlagwort »nachhaltig« ist schnell gesagt – es gehört an einigen Stellen aber einfach etwas mehr dazu.

Hier findet ihr einige Online Secondhand Shops:

Vestiaire Collective*

Mädchenflohmarkt*

Momox Fashion*

Onimos*

Second Life Fashion*

 

Die mit Sternchen (*) gekennzeichneten Links sind sogenannte »Affiliate-Links«. Wenn du auf so einen Affiliate-Link klickst und über diesen Link einkaufst, bekommen wir von dem jeweiligen Online-Shop oder Anbieter eine kleine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht.

 

Fotos: cottonbro von Pexels, Onur Bahçıvancılar von Unsplash, Artificial Photography von Unsplash, Joshua Rondeau von Unsplash

 

Dieser Artikel könnte euch auch interessieren: Flohmarkt & Vintage: Nachhaltige Kleidung einkaufen