Corona & ich: Wie es ist, Covid-19 positiv zu sein. Ein Corona Erfahrungsbericht

Corona & ich: Wie es ist, Covid-19 positiv zu sein. Ein Corona Erfahrungsbericht: Symptome, Quarantäne, Tipps

UPDATE! Faces of Corona. Ich bin Covid-19 positiv und hier kommt mein Corona Erfahrungsbericht. Der Weg zu diesem Ergebnis war alles andere als ein easy-peasy Quarantäne-Walk. Wie die neue Viruskrankheit bis heute bei mir verlaufen ist, warum ich zwischendurch dachte, ich bin total durchgeknallt und weshalb Solidarität und Fairness wichtiger sind denn je.

Wichtiger Hinweis zu meinem Corona Erfahrungsbericht:

Dieser Artikel ist eine persönliche Meinung und eine rein subjektive Darstellung meines Krankheitsverlaufs. Ich habe keine ärztliche Ausbildung und werde in meinem Corona Erfahrungsbericht auch keine ärztlichen Ratschläge geben. Die nächsten Zeilen spiegeln wider, wie ich die letzten 21 Tage in Quarantäne verbracht habe, wie ich mich gefühlt habe und wie die Krankheit bei mir persönlich verlaufen ist. Außerdem soll mein Corona Erfahrungsbericht darstellen, welche Erfahrungen ich mit dem Gesundheitssystem in Deutschland gesammelt habe. Mein Corona Erfahrungsbericht dient nicht einer Verallgemeinerung des Krankheitsbildes von Covid-19 positiv getesteten Menschen.

Zudem ist mein Corona Erfahrungsbericht kein klassischer Peppermynta Artikel. Zeitgleich beschäftigt uns das Thema seit Wochen – eben aufgrund meiner Erkrankung auch auf einer sehr persönlichen Ebene. Nach dem enorm großen Feedback auf Instagram, dass unsere Leser*innen mehr über meinen Krankheitsverlauf wissen wollen, haben wir uns dazu entschieden, diesen Corona Erfahrungsbericht zu verfassen. Wir hoffen, dass mein persönlicher Corona Erfahrungsbericht die richtigen Menschen erreicht und euch etwas mehr Einblicke schenkt.

Corona Erfahrungsbericht – drei Wochen in Quarantäne

Der Night-Jet bringt meinen Sohn und mich Samstagnacht, vom 14. auf den 15. März, aus dem – mittlerweile als Risikogebiet eingestuften – Tirol nach Hamburg. Meine Laune ist gemischt. Die Zeit mit meinen Freund*innen in Österreich war wunderschön, die weltweite Entwicklung der Corona-Krise ist alles andere als das. Deswegen entscheiden wir uns bei Ankunft in Hamburg auch direkt für eine Selbstquarantäne von 14 Tagen. Eine absolut richtige Entscheidung – wie sich später herausstellen sollte.

Heute ist Tag 21 meiner Quarantäne. Ich habe seit 21 Tagen das Haus nicht verlassen. Außer vor einigen Tagen, als ich zur Lungenuntersuchung ins Krankenhaus musste. Mein 16-jähriger Sohn und ich wollen solidarisch sein, die allgemeingesellschaftliche Gesundheit stärken. Was wir stringent durchgezogen haben. Ich hoffe heute, viele Tage später, dass es uns viele Hamburger*innen gleichgetan und sich in Selbstquarantäne begeben haben. Bei einer so hochinfektiösen Viruskrankheit wie Corona war es für mich gar keine Frage, dass wir uns isolieren.

Corona & ich: Wie es ist, Covid-19 positiv zu sein. Ein Corona Erfahrungsbericht: Symptome, Quarantäne, Tipps

Am 16. März, einen Tag nach unserer Ankunft in Hamburg, fängt es plötzlich an – ich fühle mich schlapp und müde, habe einen Frosch im Hals, etwas erhöhte Temperatur. Zeitgleich spüre ich, dass das keine Erkältung ist und auch kein grippaler Infekt. Ich halte eine permanente Standleitung zu einer guten Freundin in Österreich, mit der ich vor Ort viel Zeit verbracht habe. Außerdem wurde schon ein enger Freund von uns positiv getestet, weist aber keinerlei Symptome auf. Täglich erkundigen wir uns nach dem Gesundheitsstatus der Anderen. Ist das Corona? Oder nicht? Wir beide entwickeln nahezu zeitgleich die selben Symptome. Und erst nach Tag 3 »traue« ich mich, mir Hilfe zu holen. Ich zögere, weil in den Medien oft breitgetreten wird, dass Menschen sich mit »falschen« Symptomen melden und den wirklich infizierten Menschen die Tests »wegschnappen«. Warum die ganzen Gänsefüßchen? Naja – bei mir gibt es keine medial verbreiteten Corona-Symptome und die Corona Erfahrungsberichte, die es bis dato gab, waren nicht sehr aussagekräftig.

Ich habe weder hohes Fieber, noch trockenen Husten. Allerdings schmerzt mein ganzer Körper, auf eine Art und Weise, die ich nicht kenne. Ich habe heftige Kopf-, Rücken-, Muskel- und Gelenkschmerzen. Ich kann aktuell sagen, dass die letzten Wochen gesundheitlich teilweise schon schlimm für mich waren. Vor allem war es eine enorme psychische Belastung. Ich habe mich noch nie im Leben so schlapp gefühlt. Morgens fühle ich mich elendig und energielos. Dann geht es mir wieder einigermaßen gut, ich telefoniere, versuche Kraft zu schöpfen. Plötzlich kommen Momente, da falle ich im Sitzen fast ohnmächtig vom Stuhl. Die Krankheit verläuft wellenartig, ich schlafe viel. Aber meine Corona-Odysee fängt gerade erst an…

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Hilflos in einem Land mit der besten Gesundheitsversorgung

Mein erster Anruf führt mich klassischerweise zu meinem Hausarzt. Die Sprechstunden-Hilfe rät mir, ins UKE zu fahren, um dort einen Test zu machen. Mein Auto ist in der Werkstatt. Potentiell infektiös und dann ab in den Bus? Das scheint mir keine gute Idee. Ich entscheide mich dazu, die 116 117 anzurufen, die Nummer des ärztlichen Bereitschaftsdiensts. Es dauert fast zwei Tage, bis ich dort morgens um 04:00 Uhr jemanden erreiche. Derweil habe ich bereits meinen kompletten Geruchs- und Geschmackssinn verloren.

Dem Herren unter der 116 117 schildere ich mein Problem und auch, dass ich mit mindestens sechs Personen in Kontakt war, die unter Verdacht stünden Corona zu haben oder schon positiv auf Covid-19 getestet sind. Es dauert zwei weitere Tage, bis die kassenärztliche Vereinigung einen Mann vorbei schickt, der mich testet. Als er ankommt, ist er kaum geschützt und trägt nur einen einfachen Mundschutz – das macht mich stutzig. Zuerst weigert er sich, mich zu testen, weil meine Krankenkassenkarte zur Abrechnung bei meinem Hausarzt liegt. Wir nehmen die Karte meines Sohnes Jesse. Das Teststäbchen wird mir lieblos in den Hals gerammt. Ich muss würgen und husten. Habe ich den armen Mann jetzt angesteckt? Ich fühle mich elendig. Man würde sich melden, sagt er.

Es verstreichen fünf weitere Tage. Niemand meldet sich bei mir. Die Beratungshotline kann auch nicht helfen. Derweil geht es mir noch schlechter. Ich bin kurzatmig, habe Brustdruck und leichte Stiche in der Seite. Meine Freundin in Österreich ist mein wichtigster Anker. Sie berichtet mir von den Tipps, die sie von ihrer Ärztin bekommt: Nicht den ganzen Tag liegen, inhalieren, atmen, die Lunge »belüften«. Ich sitze auf dem Balkon, mache dort »Spaziergänge« und atme tief ein und aus. Mir gibt niemand Tipps. Weder mein Hausarzt, noch das Gesundheitsamt oder die Beratungshotline. Neben den Existenzängsten habe ich eine viel größere Angst im Nacken. Ich bin Ende 40, habe früher etwas geraucht und einen Burn-Out hinter mir. Packt mein Immunsystem das? Gibt es Langzeitfolgen? Bilde ich mir die Krankheit vielleicht sogar nur ein und drehe gerade total durch? Ich weiß es nicht.

Am 26. März, auf dem Balkon stehend, durchfährt mein Rücken beim tiefen Atmen immer wieder ein stechender Schmerz. Ich gerate in Panik. Mein Hausarzt hat mittlerweile geschlossen – die gestern noch nette Vertretungsärztin, die mir Mut zusprach, ist heute verständnislos am Telefon. Ich habe nur einen leichten grippalen Infekt. Wenn sich das Gesundheitsamt bis heute nicht gemeldet habe, dann sei ich negativ. »Zu 100%«, sagt sie und beendet das Gespräch ruppig. Meine Brust schmerzt weiter, ich wähle die 112. Auch hier begegnet mir Ablehnung, solange ich nicht positiv sei, solle ich doch bitte nicht die Notrufleitung blockieren. Und was wäre, wenn ich gerade einen Herzinfarkt habe? Ich bin am Ende.

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The person we have tested is not available!?

Eine Stunde später – der Anruf des Gesundheitsamts. Und die Gewissheit. Ich bin Covid-19 positiv. Die Frau am anderen Ende ist ziemlich irritiert, als ich vor Erleichterung heule und dankbar bin über das Ergebnis. Der Test läge schon seit Tagen vor, leider konnte man uns nicht zuordnen, da der Mann, der mich testete, den Vor- und Nachnamen meines Sohnes falsch übertragen hatte und mir auch keinen Durchschlag der Testdokumentation aushändigte. Ich bin sprachlos.

Aufgrund meiner Symptome berät mich eine Ärztin des Gesundheitsamtes, die sehr kompetent und verständnisvoll ist. Sofort schickt sie mir einen Notrufwagen vorbei – denn die Kurzatmigkeit und die Schmerzen in der Brust müssen unbedingt überprüft werden. Alle Menschen, die mir auf dem Weg zu den Untersuchungen begegnen, die Krankenwagenfahrer, die Schwestern und die Ärztin sind alle besonnen, freundlich, entspannt. Nach einigen Stunden im Krankenhaus mit EKG, Infusion, Lungen- und Bluttest gibt es Entwarnung und ich darf wieder nach Hause.

Wann bin ich wieder richtig gesund und nicht mehr ansteckend?

Nun sitze ich hier Zuhause und weiß immer noch nicht genau, wie es weiter geht. Meine Ansprechpartnerin beim Gesundheitsamt ist nur einmal die Woche erreichbar. Zeitgleich erzählt sie mir, dass alle Menschen vor Ort sieben Tage die Woche arbeiten. Ich fühle mich hin- und hergerissen, denn ich habe mich viele Tage mit der Krankheit und meinen Ängsten vollkommen alleine gelassen gefühlt und bin sehr harschen Dialogen begegnet. Auf der anderen Seite verstehe ich, dass Gesundheitsamt und Gesundheitssystem vor einer völlig neuen strukturellen Herausforderung stehen, die nicht über Nacht aufgefangen werden kann.

Laut Gesundheitsamt werden die Kapazitäten weiter aufgestockt. Zeitgleich haben sie aber nicht genug Kapazität, um mich weiter zu testen, damit ich sicher weiß, wann ich nicht mehr infektiös und demnach gesund bin. Ich bin aktuell immer noch sehr schlapp und angeschlagen – laut Gesundheitsamt ist das ein Symptom von Corona. Erst wenn ich 48 Stunden beschwerdefrei bin, darf ich aus der Quarantäne entlassen werden. Vor drei Tagen habe ich jetzt die offiziellen Anordnungen des Gesundheitsamtes bekommen, zum Beispiel auch die Bitte, ein Symptomtagebuch zu führen. Das alles erreicht mich allerdings erst nach bereits 18 Tagen mit Corona. Warum ich das machen soll, weiß ich nicht. Eigentlich sollte mich gestern jemand vom Gesundheitsamt kontaktieren, aber wieder ruft niemand an.

Back to Normalität!?

Es geht mir immer noch nicht so richtig gut – und zeitgleich glaube ich an Besserung! Ich wache auf und freue mich auf einen Spaziergang im Park. Auf ein Essen mit Freunden, wenn auch draußen an der frischen Luft mit zwei Metern Abstand. Ich freue mich darauf, selbst in den Supermarkt gehen zu können, unter einem Baum zu sitzen und durch die Nachbarschaft zu schlendern. Dinge, die sonst so normal sind, werden auf einmal so wertvoll und schön! Aktuell sorge ich mich allerdings um meine Eltern, die in Schleswig-Holstein leben. Angeblich soll es Passierscheine geben, damit ich die Bundesland-Grenze überqueren darf. Ich möchte ihnen helfen, da sie Risikopatienten sind und für sie da sein. Ich hoffe, dass das bald möglich ist.

Eine große Bitte

Wir haben von unterschiedlichen Quellen gehört, dass es Menschen gibt, die sogar lügen, um an Tests zu kommen. Sie behaupten, in in einem Krisengebiet wie Tirol oder Italien oder mit einer infizierten Person in Kontakt gewesen zu sein. Das ist einfach super unsolidarisch! Bleibt besonnen, beobachtet euch einige Tage, hört auf euer Bauchgefühl und nicht auf eure Angst. No Fun Fact: Laut dem Robert-Koch-Institut waren bis zum 29. März von knapp 1 Millionen Corona-Tests rund 93% negativ (Quelle: Spiegel Online).

Bitte blockiert daher die ärztlichen Hotlines nicht bei kleinen Symptomen, denkt euch keine Geschichten aus, um einen Test zu erhalten und seid verständnisvoll, mit den Menschen, die euch begegnen – denn auch sie machen so gut es aktuell eben geht ihren Job.

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We love people – und worauf es wirklich ankommt

Zwischenmenschlichkeit war mir noch nie so wichtig jetzt. Jesses Papa, der uns Einkäufe vorbeibringt. Freundinnen, die mich durch die Gegensprechanlage aufheitern. Nachbarn, die uns Blumen vor die Tür legen. Ich bin ein Mensch, der gut und gerne Zuhause ist. Und auch Jesse hat die Zeit bis jetzt gut weggesteckt. Doch was machen Menschen, die ganz alleine sind? Die keinen Balkon haben? Keine Freund*innen, die vor dem Balkon stehen und sich mit ihnen unterhalten?

Die aktuelle Situation lässt mehr Masken fallen, als ich gedacht habe. Vor allem bei unserem bürokratisch organisierten Gesundheitswesen – vielleicht hatte ich aber auch einfach nur Pech. Aber vielleicht sind auch mehr Menschen, genau wie ich, so alleine gelassen worden mit dem Thema?

Die aktuelle Situation zeigt allerdings auch in wunderschöner, menschlicher Art und Weise, was auf der Basis von Solidarität und Nächstenliebe alles entstehen kann. Wir haben darüber bereits einen Artikel geschrieben – und sind dankbar für all die Menschen, die binnen kürzester Zeit Hilfe für andere ins Rollen gebracht haben.

Dankbar sind wir als unabhängiges Magazin-Team auch mehr denn je für unsere Kooperationspartner, die mir ein Lächeln ins Gesicht und Hoffnung ins Herzen zaubern. Vielleicht schaffen wir es mit dem Magazin über die Corona-Krise hinaus. Marken wie Speick, benecos, i+m Berlin, Eco Cosmetics, Santaverde, Bioturm oder taz. Marken, die jetzt gerade menschlich handeln und verstehen, dass wir als kleines Magazin-Team so sehr wie noch nie darauf angewiesen sind, finanziell unterstützt zu werden.

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Selfcare meets Quarantäne

Hier findest du noch einige Tipps, die mir während meiner Zeit in Quarantäne und aktuell immer noch sehr helfen:

– Ich lese News nur höchstens zweimal am Tag. Einmal morgens, einmal abends informieren, sonst macht man sich den ganzen Tag über verrückt. Die Bilder aus Italien habe ich mir aus Selbstschutz nicht angeschaut.

– Falls du alleine lebst: einen Notfallansprechpartner haben, den du jederzeit erreichen kannst. Mir hat es sehr geholfen, dass meine Freundin Karo jederzeit für mich erreichbar war und ein offenes Ohr hatte.

– Es gibt keinen einzigen Grund, in der aktuellen Situation nicht nach Hilfe zu fragen. Wenn dir dein soziales Umfeld nicht helfen kann, gibt es weitere Möglichkeiten: Unterstützung bieten ggf. die Feuerwehr, das Technische Hilfswerk (THW) oder ehrenamtlich Helfende in der Gemeinde. In Hamburg gibt es auch eine organisierte Facebook-Gruppe – in manchen Gemeinden helfen auch die Kirchen.

– Wenn mein Kopf wieder Karussell fährt, helfen mir Podcasts beim Einschlafen.

– Meine Atemübungen auf dem Balkon sind für mich wie eine Meditation. Es hilft, sich eine Übung oder Tätigkeit zu suchen, die dich beruhigt. Egal ob malen, puzzeln, atmen oder tanzen. P.S. Ich habe mich mit den Ausmalbildern von Waterkoog entspannt. Die Vorlagen könnt ihr hier runterladen: www.waterkoog.de

Danke, dass du dir Zeit genommen hast, meinen Corona Erfahrungsbericht zu lesen. Bitte bleibe gesund und halte weiterhin Abstand #GemeinsamEinsam.

 

Update, 28. Oktober 2020:

Meine Covid-19 Erkrankung liegt nun schon einige Monate zurück. Und unabhängig davon, dass ich, wie jeder andere Mensch auch, tagtäglich in den Medien mit dem Thema konfrontiert werde, gibt es einen weiteren, für mich persönlich viel schlimmeren Faktor, der Corona allseits präsent in meinem Leben macht: Meine aktuelle Verfassung.

Nach wie vor liegen nicht genug Daten vor, wie Menschen nach der Covid-19-Erkrankung genesen und welche langfristigen Folgen es gibt. Ich teile hier gerne als Update meine individuellen Erfahrungen – auch, weil mich die zunehmende Flut an »Querdenker:innen« und Coronaleugner:innen immer sprachloser macht.

Post-Covid-Syndrom?
Auch nach Monaten leide ich immer noch an einer extremen Erschöpfung. Kein Müdesein im klassischen Sinne – dieses Syndrom nennt sich Fatigue. Es ist wie ein lähmender Zustand, der dafür sorgt, dass ich nicht gut planen kann, weil meine Kraftreserven manchmal gefühlt auf 0% sind. Ich muss mich immer wieder ausruhen, durchatmen, hinsetzen – selbst kleine sportliche Betätigungen fallen mir immer noch nicht leicht. Ich bin oft kurzatmig, wenig belastbar.

Zwar sind die herzseitigen Druckschmerzen auf meinem Brustkorb, die ich regelmäßig in den ersten Wochen hatte, vergangen, aber ich fühle, dass ich nach wie vor nicht richtig fit und schon gar nicht die »Alte« bin.

Ich habe über die Monate aufgrund der Erkrankung abgenommen, hatte immer wieder Magen-Darm-Probleme. Da mir oft übel war und ich keinen Appetit hatte, konnte ich nicht richtig essen. Frieren und schwitzen kamen dazu, gepaart mit ständigen Schlafstörungen.

Das Schlimmste?
Ich hatte in den ersten Wochen nach der Erkrankungen fast eine Art Gedächtnisschwund. Konnte mir Dinge schwer merken, hatte Wortaussetzer im Kopf und konnte mich nur sehr schwer auf meine Arbeit konzentrieren.

 Vor Kurzem war ich beim Lungencheck: Ich habe nur noch 82% Lungenvolumen. Um dem entgegen zu wirken, trainiere ich seitdem regelmäßig mit einem Atemtrainer. Mir wurde aber empfohlen, dass ich auch noch einen Lungenscan mache. Die Lunge war in Ordnung, allerdings äußerte die Ärztin den Verdacht, dass etwas mit meinem Herzen nicht stimmen würde. Also ab zum Kardiologen, da vermutet wurde, ich hätte eine Herzbeutelentzündung während Corona gehabt. Zum Glück war es nicht so und auch mein Herz ist gesund.

Wäre ich noch angestellt gewesen, ich hätte niemals einen kompletten Arbeitstag am Schreibtisch in den ersten Monaten durchgehalten. Wahrscheinlich hätte die Rückkehr ins Berufsleben stufenweise erfolgen müssen. Ich musste mich immer zwischendurch hinlegen, ausruhen. In den ersten Wochen nach meiner Genesung ging teilweise an manchen Tagen gar nichts.

Warum ich das alles teile?
Weil es mir so wichtig ist, dass noch mehr Menschen verstehen, welche Ausmaße das Covid-19 Virus auf die Gesundheit haben kann. Ich hatte keine nennenswerten Vorerkrankungen und gehöre auch nicht zur Risikogruppe. Auch hatte ich keinen sehr schweren Verlauf und wurde nicht intensivmedizinisch behandelt. Dieser Bericht einer Covid-19 Patientin hat mich auch sehr betroffen gemacht.


Noch ein »Schmankerl« zum Schluss.
Leider weiß ich nicht, ob ich nun immun ist gegen das Virus bin. Ein Test kostet 150 Euro und den müßte ich selbst bezahlen. Die Begründung? Ich hätte ja Corona gehabt, deshalb bin ich automatisch immun. Laut anderen Krankheitsberichten zufolge ist das aber auch nicht gesichert.

Was mir bleibt? Weiter auf mich acht geben. Atmen üben. Gut essen, genug schlafen. Raus an die frische Luft gehen. Und genau wie alle anderen Menschen: Abstand halten, Mund-Nase-Bedeckung tragen, Hände waschen. Für die Gemeinschaft!

 

Du hast Fragen zum meinem Corona Erfahrungsbericht? Oder willst auch Erfahrungen austauschen? Dann schreibe uns gerne auf Facebook oder Instagram. Wir freuen uns auf dich.

 

Diese Artikel wurde von Lara als Interview-Protokoll verfasst.

 

Fotos: Roman Dachsel

 

Hinweis: Die Fotos wurden an Tag 19 der Quarantäne gemacht. Die Maske habe ich noch von meinem Krankenhaus-Aufenthalt und zur Sicherheit für die Fotos verwendet.

 

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