Zero Waste Monatshygiene – nachhaltige Produkte und Tipps

Eco Lifestyle: Zero Waste Monatshygiene – nachhaltige Produkte und Tipps“ ist gesperrt Zero Waste Monatshygiene – nachhaltige Produkte und Tipps – Nein – Lara Keuthen

Jährlich werden auf der Welt 45 Milliarden Tampons und Binden verbraucht. Gar nicht Lady-Umwelt-Like. Wir zeigen euch smarte Zero Waste Monatshygiene-Artikel – müllfreie und ressourcenschonende Alternativen zu Tampon, Einwegbinde und wegwerfbarerer Slipeinlage für ein grünes Gewissen in euren roten Herzen.

Frauen leben Monat für Monat in einem wiederkehrenden Zyklus. Alle 28 Tage, mal mehr, mal weniger lang, begrüßen wir unsere Periode, welche genauso individuell ist wie jede von uns. Doch trotz aller Vielfalt – in Sachen Müllbilanz hat jede Frau etwas gemein: Wir nutzen monatlich Wegwerfprodukte, die nicht recycelt werden können und bereits in der Herstellung viele Ressourcen verbrauchen: Baumwoll-Plantagen, chemische Prozesse, um die Baumwolle zu bleichen und auszuwaschen, damit sie für unsere Körper geeignet sind. Anbau und Fertigung verbrauchen unfassbar viel Wasser.

Und auch das Bleichen der Baumwolle ist eine Schattenseite. Ökotest hat zwar in einem aktuell durchgeführten Test in fast allen ausgewählten Produkten, darunter Tampons, Slipeinalgen und Cups, fast keine bedenklichen Stoffe finden können. Aber hey, deine Vagina gehört mit zu den absorbierendsten Regionen deines Körpers. Deshalb kurzes Kopfkino: Stell dir vor, dass chemisch produzierte Stoffe wie Polymere oder Parfum, die in herkömmlichen Hygieneprodukten enthalten sind, immer und immer wieder auf deine Scheiden-Schleimhaut treffen und somit in deinen Körper gelangen. Fühlt sich nicht besonders ökologisch an, oder? Eben.

Durch unseren Zyklus sind wir spürbar mit der Erde verbunden. Sollten wir ihr dann nicht auch etwas zurückgeben?

Ich selbst bin seit ungefähr einen knappen Jahr in der Regel müllfrei. Zum einen aus Liebe zu meinem Körper und zum anderen Teil natürlich aus Liebe zur Umwelt. Ich nutze eine Menstruationstasse, Stoffbinden und seit einigen Wochen auch ein Menstruationshöschen. Um dich hier kurz etwas abzuholen: Ich bin der Typ Mensch, der beim kleinsten Kratzer schon schlackrige Beine bekommt und wenn sich jemand in den Finger geschnitten hat, muss ich mich erst mal kurz hinsetzen. Blut ist nicht gerade meine beste Freundin. Deswegen hatte ich zu Anfang bei der Umstellung »Angst«, dass ich all das Blut nicht ertragen kann, denn ich gehöre zur Kategorie »Heavy Menstruation«. Aber Periode-Pustekuchen. Ich bin das ganze Thema sehr selbstbewusst angegangen, nichtzuletzt auch durch positive, aktuelle Influencerinnen zu dem Thema, die unter den Hashtags #happyperiod und #period meinen Instagram-Feed aufgemischt haben. Meine allgemeinen Alltagsumstellungen zu einem müllfreieren Leben haben mich von Kaffeebecher über verpackungsfreien Supermarkt auch dazu bewegt, über meine Monatshygiene nachzudenken.

Was soll ich sagen? Ich bin noch kein einziges Mal im Badezimmer zusammengebrochen. Wirklich. Ich fühle mich selbstbewusster, gesünder und mehr mit meinem Körper verbunden, denn ich verstehe jetzt viel besser, was mein Körper leistet und was das für eine Meisterin-Leistung ist. Die Menstruationstasse veranschaulicht mir viel besser, wie viel Blut ich verliere oder welche Form des Schmerzes mit welchem Blutungsgrad zusammenhängt. Ein Tampon oder eine Binde, die weggeworfen werden, suggerieren: «Bloß schnell weg damit!» Das Gefühl habe ich mit meiner Menstruationstasse nicht mehr. Denn ich nutze die Tasse immer und immer wieder. Sie begleitet mich durch meinen Zyklus und gibt mir nicht das Gefühl, dass ich mein Blut auf schnellstem Wege entsorgen muss.

Ich möchte einige Möglichkeiten der müllfreien Monatshygiene mit dir teilen. Ohne Zeigefinger, aber mit viel »Vaginspiration«:

 

1 ׀ Hoch die Tassen! Menstruations-Cup
Ich nutze aktuell den Fun Cup – eine Menstruationstasse von Fun Factory. Eigentlich ist das Unternehmen bekannt für Liebesspielzeug, doch mit 20 Jahre Anatomie-Expertise im Gepäck kennen sie sich auf ihrem Fachgebiet aus. Die Tasse ist hypoallergen, vegan und wird aus medizinischem Silikon hergestellt. Bei korrekter Handhabung kann eine Tasse bis zu 10 Jahre lang genutzt werden. Eine der Hauptgründe für die Nutzung dieser Tasse ist für mich vor allem die komplette Herstellung in Deutschland, wodurch super kurze Lieferwege entstehen. Es gibt einen speziellen Griff, mit der die Tasse eingesetzt wird. Dadurch entsteht ein Unterdruck und die Tasse kann, meistens, nicht auslaufen (mehr dazu in den weiteren Punkten). Man kann die Tasse 12 Stunden tragen und reinigt sie während der Regel einfach mit Wasser. Nach dem Zyklus wird sie im heißen Wasserbad ausgekocht und kann dann wiederverwendet werden. Fun Factory bietet ein Set an, mit dem man beide Größen ausprobieren kann. Dieses kostet 34,90 €.

Im Erdbeerwocheshop findest du weitere Tassen. Am besten probierst du ein oder zwei Modelle, um für dich die perfekte Form und das Material zu finden, das dir am ehesten zusagt.

 

2 ׀ In bester Lage: Wiederverwendbare Binden
Wie zu Anfang erwähnt – ich habe meine Periode ziemlich intensiv. Die ich aber versuche, mit ganz viel Leichtigkeit zu nehmen. Wenn ich weiß, dass ich viele Termine habe, unterwegs bin und vielleicht nicht sofort meine Tasse wechseln kann, dann nutze ich zum Beispiel Stoffbinden. Die Modelle von Gaia sind sehr weich und ich mag das Design. Sie bestehen zu 60% aus Bambusfasern und 40% aus Biobaumwolle. Die Nutzung funktioniert wie eine »normale« Binde. Für mich ist es mehr eine Art »Blood-Back-Up«, aber du kannst Stoffbinden natürlich auch ohne weitere Produkte nutzen. Das Label Bloodmilla bietet neutralere Versionen mit unterschiedlichen Saugstärken an. Nach Gebrauch werden die Binden mit kaltem Wasser gespült und können dann hygienisch bei 60 Grad gereinigt werden. Die Nutzungsdauer schätze ich so lange wie normale Kleidung ein. Ab 14,95 €.

 

3 ׀ Höschen fürs Mös… Menstruationsunterwäsche
Vor einigen Wochen habe ich mir meine erste Thinx Unterhose bestellt. Das amerikanische Label hat eine Unterwäschelinie entwickelt, die dein Menstruationsblut komplett aufsaugt. Als ich das erste Mal davon gelesen habe, dachte ich: »Windelalarm« – aber die Höschen sind wirklich fast wie ganz normale Unterhosen. Seit Kurzem gibt es eine eigene Organic Cotton Serie. Im Innenteil des Stoffes ist eine antimikrobielle Lage eingewebt, die das Blut komplett sicher und ohne Gerüche einschließt. Unabhängig davon, dass die Unterhosen wirklich halten, was sie versprechen (bis zu zwei volle Tampons oder 1 Menstruationstasse als Vergleich), mag ich den Markenauftritt und die Aktionen, die Thinx anbietet. Sie helfen dabei, ein freies, selbstbestimmtes Bild der »blutenden« Frau zu zeigen. Von Tanga bis Boyfriend-Shorts findet jede das passende Modell zu ihrem Stil und ihrer Periode. Nach dem Gebrauch wäscht man die Höschen gleich mit kaltem Wasser aus und wäscht sie dann ebenfalls kalt in der Maschine. Andere Kleidung kann mit gewaschen werden, es passiert wirklich nichts. Los geht es ab umgerechnet 20,00 €.

4 ׀ Volle Freiheit? Free Bleeding
Dieser Trend kommt aus den USA. Ich habe es weder ausprobiert, noch plane ich es zu tun – aber ich will dir natürlich unterschiedliche Lösungen vorstellen. Free Bleeding ist genau das, als was es sich bezeichnet. Ein freies Bluten, bei dem auf jegliche Art von Hygieneartikeln verzichtet wird. Dazu brauchst du einen sehr trainierten Beckenboden und eine so gute Verbindung zu deinem Unterleib, denn wenn sich neues Blut ankündigt auszutreten, dann musst du austreten und die Toilette nutzen. Denn wir bluten ja nicht 24/7, sondern in einer Art Intervallen. Diese Form der »Monatshygiene« wäre eine absolut müllfreie Variante. Wie gut das funktioniert, kann ich dir allerdings nicht sagen.

 

 

Alles nicht deins? Gar kein Problem. Uns ist es wichtig, dass wir dir Inspiration geben können, um umzudenken. Aber eben auch so zu konsumieren, wie es für dich richtig ist. Wir mögen besonders Yoni, ein Label, das von zwei Frauen gegründet wurde, die dem Monatsartikel-Wirrwarr eine klare Sprache verleihen wollen. Sie sind super transparent mit den Inhaltsstoffen, der Herstellung und den Bezugsquellen. 100% Biobaumwolle, kein Plastik, kein Parfüm und keine Geheimnisse.

 

If she’s happy and you know it – wear a shirt! Wir lieben Labels, die kein Blatt vor den Mund nehmen und offen über Tabus reden. Das »Satisfied Vagina« T-Shirt, das ich trage, ist von Nein, gegründet von Sabrina, Patricia und Eva. Gemeinsam stehen sie dafür ein, auch mal herzlichst »Nein« zu sagen und feministisch ehrlich zu den Dingen zu stehen, die wir Frauen wollen und die uns bewegen. Dazu gehört auch eine glückliche Vagina und eine ebenso selbstbestimmte Monatshygiene.

Auf wunderbare Tage, aus denen du bitte auch kein Geheimnis machen musst. Happy bleeding!

 

Fotos: PR, Roman Dachsel

 

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